AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
14. September 2021

Unsere Anlagestrategie

Trotz der Sorgen über die Ausbreitung der Delta-Mutante und dem zwischenzeitlich unsicheren Timing des Fed-„Tapering“ waren Aktien angesichts der sehr positiven Gewinnsaison den Sommer über gut unterstützt. Zudem hat sich die Fed zuletzt klar gegen ein vorgezogenes „Tapering“ positioniert. Doch der Reihe nach.

Die Berichtssaison konnte bislang überzeugen. Die Ergebnisse US-amerikanischer und europäischer Unternehmen für das abgelaufene Quartal zeigten aufgrund der anziehenden Weltwirtschaft und der günstigen Vergleichsbasis ein kräftiges Gewinnwachstum. In den USA übertrafen 85% der Unternehmen die Gewinnerwartungen (siehe Abbildung 12). Der Gewinn pro Aktie lag um 90% über Vorjahr und um 17% über den Projektionen. Die größten Gewinnzuwächse verzeichneten die Sektoren, die im vergangenen Jahr am stärksten unter der Pandemie gelitten hatten, nämlich Energie, Rohstoffe, Industrie- und zyklische Konsumgüter sowie Finanzwerte. Eine deutliche Erholung gab es mit +27% auch beim Umsatzwachstum (erwartet: +22%). Dabei konnten alle Sektoren ein zweistelliges Wachstum verzeichnen. Gleichzeitig markierte der Anteil der Unternehmen, die die Umsatzerwartungen übertrafen (83%), den höchsten Stand seit 2009.

In Europa übertrafen 64% der Unternehmen im Stoxx600-Index die Gewinnerwartungen (siehe Abbildung 13). Der Gewinn pro Aktie lag um 71% über Vorjahr und damit um 16% über den Projektionen. Zehn von elf Sektoren verzeichneten ein zweistelliges Wachstum. Das stärkste Plus lieferten die zyklischen und rohstoffbezogenen Sektoren. Bei den Umsätzen übertrafen 69% der Unternehmen die Projektionen. Sie lagen um 28% über Vorjahr (erwartet: +25%). Hier konnten bis auf Immobilien alle Sektoren zulegen.

Zweiter Treiber bei Aktien war das (Online)Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole (26.-28. August). Dabei hat der Fed-Vorsitzende Jerome Powell seine Strategie vorgestellt, die man als „dovish tapering” bezeichnen könnte: Die Fed ist demnach bereit, ihre Ankäufe von Vermögenswerten, die sich derzeit auf 120 Mrd. USD pro Monat belaufen, bald zu reduzieren. Gleichzeitig machte er aber auch klar, dass sich der Inflationsanstieg – da primär Corona-getrieben – als vor­übergehend erweisen sollte, die Fed daher schrittweise und pragmatisch vorgehen wolle und „Tapering“ nicht den Beginn des Zinserhöhungszyklus präjudiziere.

Die Finanzmärkte haben positiv auf Powells zurückhaltende Äußerungen reagiert. Die Renditen von US-Staatsanleihen blieben niedrig (rutschen kurzfristig sogar unter 1,30% (10J)), was wiederum die risikobehafteteren Anlageklassen bzw. Carry Trades begünstigt hat. Mit anderen Worten: Die realen Anleiherenditen (TIPS-Renditen) sind nach wie vor niedrig, die Risikoprämie für Aktien bleibt hoch. Historisch betrachtet rechtfertigt diese Risikoprämie, also die Differenz zwischen der Rendite von Aktien und der von Unternehmens- bzw. Staatsanleihen, nach wie vor unsere strategisch positive Einstellung zu Aktien.

Unsere Anlagestrategie im Überblick

Aktien

Aktien global: Übergewichten

Die Kombination aus massiven fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen und einer sich verstärkenden globalen Erholung stützt Aktien, trotz der immer noch anhaltenden Unsicherheit aufgrund der Pandemie (Corona-Mutationen).

Aktien Europa: Übergewichten

Die Geld- und Fiskalpolitik ist sehr expansiv. Die höhere Gewichtung von Value- und zyklischen Sektoren gegenüber dem US-Aktienmarkt und attraktive Dividendenrenditen, die deutlich über den Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen liegen, unterstützen genauso wie günstigere Bewertungen.

US-Aktien: Neutral

Die starke US-Wirtschaft vor dem Hintergrund der sehr expansiven Fiskalpolitik von Präsident Biden hilft dem Markt. Die hohe Bewertung gegenüber z.B. europäischen Aktien belastet.

Schwellenländer-Aktien: Übergewichten

Wir bevorzugen China und generell asiatische Länder, in denen die Wachstumsrate jenseits kurzfristiger Ausschläge höher ist. Eine ausgeprägte Länder- und Sektorselektion wird aber dringend empfohlen. Niedrige Impfraten geben Anlass zur Sorge.

Asien-Pazifik-Aktien (Entwickelte Märkte): Neutral

Japanische Aktien werden durch die globale Erholung und die hohe Gewichtung wertorientierter/zyklischer Sektoren unterstützt. Belastungen resultieren aus steigenden Inzidenzen bzw. niedrigen Impfquoten.

Renten

Renten Global: Untergewichten

Anleihen sind anfällig geworden. Der Inflationsdruck (wenn auch nur temporär) und die Erwartung steigender Staatsanleiherenditen belasten.

Euro Investment Grade-Unternehmensanleihen: Übergewichten

Unterstützung kommt auch weiterhin von den Käufen der EZB, der geringer gewordene Spread (Renditedifferenz) macht sie indes anfälliger für steigende Zinsen. Wir bevorzugen angesichts des erhöhten Kapitalpuffers der europäischen Banken finanzielle nachrangige Schuldtitel.

Hochverzinsliche Unternehmensanleihen: Untergewichten

Unter den risikobehafteten Anlageklassen bevorzugen wir derzeit Aktien, da die mangelnde Marktliquidität bei Hochzinsanleihen („high yield“) weiterhin ein Problem darstellt.

EWU-Staatsanleihen: Untergewichten

Wir sind angesichts der hohen Benchmark-Duration bei Euro-Staatsanleihen der Kernländer untergewichtet. Wir bevorzugen Staatsanleihen der Peripherieländer wie italienische BTP, die von der EZB und dem EU-Wiederaufbaufonds unterstützt werden. Wir präferieren gleichzeitig eine kurze Duration und erhöhen selektiv die Positionierung in inflationsgebundenen Anleihen. Dies könnte sich als hilfreich erweisen, um mit dem Basisszenario eines vorübergehenden Anstiegs der Inflation umzugehen.

Nicht-EWU-Staatsanleihen: Neutral

Trotz der immer noch akkommodierenden Geldpolitik erwarten wir einen Anstieg der Renditen von US-Treasuries bis zum Jahresende.

Schwellenländer-Anleihen: Übergewichten

Auf der Suche nach Rendite eröffnen sich hier Kaufgelegenheiten. Höhere langfristige US-Renditen und ein zwischenzeitlich stärker gewordener USD haben uns aber defensiver und selektiver werden lassen.

Geldmärkte: Neutral

Geldmarktanlagen scheinen lediglich als Absicherung gegen Unsicherheit erwägenswert (Risikostreuung).

Alternative Anlagen: Neutral

Solche Anlagen bieten allenfalls Diversifikationspotenzial.

Rohstoffe

Gold: Übergewichten

Der Goldpreis wird durch die akkommodierende Geldpolitik der Zentralbanken gestützt. Darüber hinaus sollte Gold seine Rolle als „sicherer Hafen“ zur Inflationsabsicherung immer wieder entfalten können.

Währungen

EUR-USD

Kurzfristig scheint sich der EUR-USD nach der zurückhaltenden („dovishen“) „Tapering“-Ankündigung der Fed Richtung 1,18-1,20 zu bewegen. Längerfristig dürfte der US-Dollar aufgrund des sogenannten Zwillingsdefizits – Handels- und Haushaltsdefizit der USA – noch schwächer werden.

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