AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
08. März 2021

Unsere Anlagestrategie

Das (welt)wirtschaftliche Umfeld unterstützt generell risikobehaftete Anlagen. Allerdings scheint kurzfristig Vorsicht angebracht, vor allem angesichts der Gefahr des Wiederauflebens der Corona-Pandemie, der Verzögerungen bei den Impfkampagnen in Europa sowie der Befürchtungen einer höheren Inflation insbesondere in den USA. Unterstützung kommt nach wie vor von der weltweit außerordentlich lockeren Geldpolitik. Dies wird auch noch länger so bleiben. Die Bilanzen der US-Notenbank Fed, der Europäischen Zentralbank EZB und der Bank of Japan (BoJ) sind regelrecht angeschwollen und belaufen sich auf 35%, 62% bzw. 133% des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP, siehe Grafik 11).

Das deutlich anziehende BIP-Wachstum in den USA im laufenden Jahr aufgrund der sehr expansiven Fiskalpolitik Bidens, deren Volumen weit über der US-Produktionslücke liegt, birgt jedoch das Risiko einer höheren Inflation und schürt Befürchtungen über eine schrittweise Rückführung der Lockerungen („tapering“) der Fed. Wir gehen davon aus, dass der Anstieg der Teuerung im zweiten Quartal moderat, vorübergehend und hauptsächlich durch Basiseffekte und Energiepreise getrieben sein wird. Daher sollte dies nicht dazu führen, das Risikoumfeld stark zu beinträchtigen, obwohl die Volatilität der Finanzmärkte wahrscheinlich zunehmen wird. Investitionen in reale Vermögenswerte wie Aktien, und zwar durch eine Übergewichtung von Schwellenländeraktien, die Beibehaltung der Untergewichtung von Kernländer-Staatsanleihen bei gleichzeitiger Reduzierung ihrer Duration und die Erhöhung einer selektiven Positionierung in inflationsgeschützten Anleihen könnten sich als hilfreich erweisen, um das Problem eines vorübergehenden Inflationsanstiegs zu bewältigen.

Fokus: Optimistischere Einschätzung der italienischen Vermögenswerte

 

Die Auflage des Pandemie-Kaufprogramms PEPP sowie des Next Generation EU-Plans bescherte italienischen Vermögensanlagen schon im vergangenen Jahr Rückenwind. Das EU-Programm zur Erholung Europas mit einem Gesamtvolumen von 750 Milliarden Euro kommt Italien besonders zugute, wobei insgesamt Mittel in Höhe von 210 Milliarden Euro für die Digitalisierung und Innovation, den ökologischen Übergang und die soziale Inklusion bereitgestellt werden sollen. Die Bildung der neuen Regierung unter Führung des ehemaligen EZB-Gouverneurs Mario Draghi, die von einer großen Mehrheit im Parlament unterstützt wird, dürfte für zusätzliche Unterstützung sorgen.

Wir erwarten daher einen weiteren Rückgang der Renditedifferenz italienischer gegenüber deutschen Staatsanleihen. In einem Blue-Sky-Szenario könnte sich die italienische Renditedifferenz zu Bundesanleihen sogar den spanischen und portugiesischen Spreads von 50-60 Basispunkten annähern. In unserem mittelfristig angelegten Basisszenario veranschlagen wir den BTP-Bund-Spread auf 70-80 Ticks. Dabei könnten die Banken von einer Verringerung des Spreads deutlich profitieren, insbesondere diejenigen, die einen höheren Anteil an italienischen Staatsanleihen (BTPs) in ihren Portfolios halten, was wiederum ein größeres Engagement bei der Finanzierung italienischer Unternehmen begünstigen würde. Aber die positiven Auswirkungen von Draghis Politik könnten noch weiter gehen:

1. Im Falle einer Beschleunigung der Impfkampagnen ist aufgrund des Nach­hol­bedarfs und des wahrscheinlichen Abbaus der sehr hohen Nettospar­quote der Italiener (siehe Grafik 12) eine starke Erholung des Konsumsektors am Aktienmarkt zu erwarten.

2. Ein bedeutender Teil der durch den Next Generation EU-Wiederaufbauplan für Italien bereitgestellten Mittel begünstigen die Unternehmen, die ihre Strategie auf erneuerbare Energien ausgerichtet haben.

3. Die Anleger erwarten auch eine Verkürzung des Zeitrahmens für die Schaffung eines einheitlichen Mobilfunknetzes und eine weitere Erholung der Asset Management-Aktien. Bauwerte würden von verstärkten Investitionen in Infrastrukturen profitieren.

Zudem dürfte es unter der Draghi-Regierung mehr Dynamik bei der Implementierung von Mitteln des EU-Struktur- und Investitionsfonds (ESIF) geben. Italien rangiert hier mit am Ende (43% im Zeitraum 2014-2020, siehe Grafik 14). Wenn es der neuen Regierung gelingt, zumindest die wichtigsten Strukturreformen in den Bereichen öffentliche Verwaltung, Justiz und Steuern einzuleiten (mit dem Ziel einer schrittweisen Senkung der Steuern für Bürger und Unternehmen und einer Erhöhung der Erwerbsquote von Frauen) und die Digitalisierung zu beschleunigen, können Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität der italienischen Wirtschaft wieder zulegen und den Abstand zu anderen europäischen Ländern verringern. In der Tat liegt Italien im IMD World Competitiveness Ranking 2020 nur auf Platz 44 und bei der Digitalisierung auf Platz 41.

Unsere Anlagestrategie im Überblick

Aktien

Aktien global: Übergewichten

Die Kombination aus massiven finanz- und geldpolitischen Maßnahmen und der Hoffnung auf eine weltweite Konjunkturerholung ab dem zweiten Quartal 2021 (alimentiert durch die anlaufende Massenimpfung), stützt Aktien – trotz der hohen anhaltenden Unsicherheit über den weiteren Verlauf von Corona besonders in Europa (dritte Welle/hochinfektiöse Mutationen).

Aktien Europa: Übergewichten

Kurzfristig wird diese Anlageklasse durch die zweite Corona-Welle belastet. Die Geld- und Fiskalpolitik (u.a. EU-Wiederaufbaufonds) bleibt jedoch stark expansiv. Interessant sind sie auch wegen der Dividendenrenditen, die deutlich über den Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen liegen.

US-Aktien: Neutral

Die verbesserten Wachstumsaussichten aufgrund der gestiegenen Chancen für eine weitgehende Umsetzung der expansiven Finanzpolitik Bidens stützt den Markt, die weniger interessante Bewertung gegenüber z.B. europäischen Aktien belastet.

Schwellenländer-Aktien: Übergewichten

Die V-förmige Erholung in China (das Vor-Corona-BIP-Niveau ist längst schon wieder überschritten) und die Hoffnung auf eine De-Eskalation des Handels­konflikts zwischen den USA und China mit der neuen Biden-Administration könnte einen Aufholprozess gegenüber der Entwickelten Welt begünstigen. Wir bevorzugen Asien als Region. Es gilt jedoch, die Länder und Sektoren in dieser Region sorgfältig zu selektieren.

Asien-Pazifik-Aktien (Entwickelte Märkte): Neutral

Japans Wirtschaft profitiert von der Erholung Chinas und der Ankündigung von Strukturreformen durch Premier Suga. Zudem hat die Region die Pandemie weitgehend unter Kontrolle. Hinzu kommt der hohe Anteil von value gegenüber zyklischen Sektoren.

Renten

Renten Global: Neutral

Globale Anleihen werden durch die expansiven geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken gestützt. Allerdings sind die Bewertungen, insbesondere von Staatsanleihen der entwickelten Länder, uninteressant.

Euro Investment Grade-Unternehmensanleihen: Stark übergewichten

Europäische Investment-Grade-Unternehmensanleihen werden durch die Käufe der EZB (sowohl über das gängige Anleihekaufprogramm CSPP, Corporate Sector Purchase Programme, als auch über das Pandemiekaufprogramm PEPP) sowie die sogenannten Carry Trades (Zinsdifferenzgeschäfte) gut unterstützt. Angesichts der erhöhten Kapitalpuffer der europäischen Banken bevorzugen wir finanziell nachrangige Anleihen.

Hochverzinsliche Unternehmensanleihen: Untergewichten

Unter den risikobehafteten Anlageklassen bevorzugen wir derzeit Aktien, da die mangelnde Marktliquidität bei Hochzinsanleihen („high yield“) weiterhin ein Problem darstellt.

Europäische Staatsanleihen: Untergewichten

Die Geldpolitik der EZB bleibt äußerst expansiv, aber die Bewertungen von Kernländer-Staatsanleihen sind derzeit nicht interessant. Wir bevorzugen Staatsanleihen der Peripherieländer, die von der EZB und dem EU-Wiederaufbaufonds unterstützt werden.

Schwellenländer-Anleihen: Übergewichten

Die Suche nach Renditen angesichts des längerfristig niedrigeren Zinsumfelds sowie ein schwächer werdenden USD bieten selektive Kaufgelegenheiten, insbesondere im Hinblick auf Schwellenländeranleihen in Lokalwährung.

Geldmärkte: Untergewichten

Liquiditätspositionen sind aufgrund der anhaltenden Unsicherheit dennoch ratsam.

Alternative Anlagen: Neutral

Wir bevorzugen hier liquidere Anlagestrategien.

Rohstoffe

Gold: Übergewichten

Wir erwarten, dass der Goldpreis vor dem Hintergrund niedriger Zinssätze und der monetären Reflationierung der Zentralbanken gut unterstützt bleibt. Darüber hinaus sollte er seine Rolle als „sicherer Hafen“ immer wieder entfalten können.

Währungen

EUR-USD: Übergewichten

Die sehr akkommodierende Geldpolitik der Fed und die Zwillingsdefizite der USA werden den USD wahrscheinlich weiter schwächen.

Unsere Anlagestrategie