AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
12. April 2021

Unsere Anlagestrategie

Im Zentrum unseres Makrobildes steht Bidens enormer fiskalischer Stimulus, der in Kombination mit der Beschleunigung der Impfkampagnen sowohl das US- als auch das globale BIP-Wachstum ankurbelt. Gleichzeitig schürt dies die Angst vor einer steigenden Inflation. Wir gehen jedoch davon aus, dass der Anstieg der Teuerung (siehe Grafik 11) moderat ausfallen und vorübergehender Natur sein wird. In erster Linie ist er nämlich auf Basiseffekte bzw. gestiegene Energiepreise zurückzuführen.

Darüber hinaus sind wir der Überzeugung, dass unsere derzeitige Anlagestrategie durchaus zu einem Szenario leicht höherer Inflationsraten passt. Unsere schon länger andauernde Präferenz für Aktien mit den Akzentsetzungen bei Wachstums- und Rohstoffwerten (wie Schwellenländeraktien) einerseits und Wachstums- und „Value“-Werten andererseits (unterbewertete Aktien etwa im Euroraum) sollte sich in einem Umfeld steigender Inflation als hilfreich erweisen. Gleiches gilt für unsere Rentenstrategie, also Staatsanleihen der Kernländer unterzugewichten, ihre Duration zu reduzieren und uns gleichzeitig (selektiv) stärker in inflationsgebundene Anleihen zu engagieren.

Unser Group Investment Committee hat die globale Portfolio-Asset-Allokation Ende März im Großen und Ganzen daher unverändert gelassen. Die einzige nennenswerte Anpassung war die Hochstufung der Staatsanleihen von Nicht-EWU-Ländern auf neutral, was angesichts des bereits erreichten Renditeniveaus von langfristigen US-Treasuries lediglich taktischen Überlegungen geschuldet ist. Der relativen Rückstufung von top-gerateten EUR-Unternehmensanleihen auf übergewichten (von stark übergewichten) liegt die Überlegung zugrunde, dass sie zwar weiterhin durch die EZB-Käufe gestützt werden, der mittlerweile aber zusammengeschmolzene Renditeaufschlag sie anfälliger für steigende Zinsen macht.

Darüber hinaus bleiben wir zuversichtlich für Engagements in Schwellenländern. Aktien profitieren von einem höheren BIP-Wachstum, während auf der Anleihenseite überdurchschnittliche Anleiherenditen erzielt werden können. Das ermöglicht die Umsetzung von sogenannten „Carry Trades“ (Zinsdifferenz­geschäfte). Allerdings verlieren Schwellenländerengagements angesichts einer bereits anlaufenden Normalisierung des zuvor hohen chinesischen BIP-Wachstums bei einem gleichzeitig beginnenden Kreditverknappungszyklus einerseits und steigender US-Treasury-Renditen und des stärkeren USD andererseits an Schwung.

Wir gehen zudem davon aus, dass die Renditen von Anleiheportfolios nach Abzug von Gebühren auch künftig bestenfalls die Inflation abdecken werden, real also keine Wertsteigerung erwarten lassen. Wir würden Aktien daher auch unter Berücksichtigung einer möglichen höheren Volatilität bevorzugen und Anleihen in Aktien umschichten und den Anlagehorizont erhöhen. Es besteht die Gefahr, dass das derzeitige Umfeld niedriger nominaler Renditen zu einer „lose-lose“-Situation führen wird – dass also die Erträge eines Bondportfolios mit steigenden Renditen rückläufig sind.

Aktien scheinen stattdessen nicht nur durch das Niedrigzinsszenario unterstützt zu sein, sondern profitieren auch von den starken finanzpolitischen Engagements der Regierungen, insbesondere in den USA. Dort wird nach der Verabschiedung des Rettungsplans bereits über ein zusätzliches Programm in Höhe von 2,3 Billionen USD verhandelt. Der Fokus liegt auf Infrastrukturinvestitionen, sauberer Energie und Bildung. Auch wenn die Ausgaben sich auf mehrere Jahre verteilen und sie teilweise durch eine Erhöhung der Unternehmenssteuern finanziert werden, sollten sie ihre Wachstumswirkungen entfalten können. Und in Europa geht nach dem „Next Generation EU“-Programm zumindest die Diskussion in Richtung einer gemeinsamen EU-Fiskalpolitik.

Unsere Anlagestrategie im Überblick

Aktien

Aktien global: Übergewichten

Die Kombination aus massiven finanz- und geldpolitischen Maßnahmen und einer kräftigen weltweiten Konjunkturerholung (alimentiert durch die anlaufende Massenimpfung), stützt Aktien – trotz der hohen anhaltenden Unsicherheit über den weiteren Verlauf von Corona besonders in Europa (dritte Welle/hochinfektiöse Mutationen).

Aktien Europa: Übergewichten

Kurzfristig wird diese Anlageklasse durch die dritte Corona-Welle belastet. Die Geld- und Fiskalpolitik (u.a. EU-Wiederaufbaufonds) bleibt jedoch stark expansiv. Interessant sind sie auch wegen der Dividendenrenditen, die deutlich über den Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen liegen.

US-Aktien: Neutral

Die verbesserten Wachstumsaussichten aufgrund der gestiegenen Chancen für eine weitgehende Umsetzung der expansiven Finanzpolitik Bidens stützt den Markt ebenso wie die Impferfolge. Die hohe Bewertung gegenüber z.B. europäischen Aktien belastet.

Schwellenländer-Aktien: Übergewichten

Die wirtschaftliche Erholung (in China ist das Vor-Corona-BIP-Niveau längst schon wieder überschritten) schreitet voran, Corona ist zumindest in den asiatischen Schwellenländern unter Kontrolle. Das begünstigt den Aufholprozess gegenüber der Entwickelten Welt. Wir bevorzugen daher Asien als Region. Es gilt jedoch, die Länder und Sektoren in dieser Region sorgfältig zu selektieren.

Asien-Pazifik-Aktien (Entwickelte Märkte): Neutral

Japans Wirtschaft profitiert von der Erholung Chinas und der Ankündigung von Strukturreformen durch Premier Suga. Zudem hat die Region die Pandemie weitgehend unter Kontrolle. Hinzu kommt der hohe Anteil von „value“ gegenüber zyklischen Sektoren.

Renten

Renten Global: Neutral

Globale Anleihen werden durch die expansiven geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken gestützt. Allerdings sind die Bewertungen, insbesondere von Staatsanleihen der entwickelten Länder, uninteressant.

Euro Investment Grade-Unternehmensanleihen: Übergewichten

Top-geratete Unternehmensanleihen werden durch die Käufe der EZB immer noch gut unterstützt, aber ihr eingedampfter Renditevorteil macht sie anfällig für steigende Zinsen. Wir bevorzugen angesichts des erhöhten Kapitalpuffers der europäischen Banken finanzielle nachrangige Schuldtitel.

Hochverzinsliche Unternehmensanleihen: Untergewichten

Unter den risikobehafteten Anlageklassen bevorzugen wir derzeit Aktien, da die mangelnde Marktliquidität bei Hochzinsanleihen („high yield“) weiterhin ein Problem darstellt.

Europäische Staatsanleihen: Untergewichten

Die Geldpolitik der EZB bleibt äußerst expansiv, aber die Bewertungen der Kernländer-Staatsanleihen sind weiterhin uninteressant. Wir bevorzugen Staatsanleihen der Peripherieländer, die von der EZB und dem EU-Wiederaufbaufonds unterstützt werden. Wir präferieren gleichzeitig eine kurze Duration und erhöhen selektiv die Positionierung in inflationsgebundenen Anleihen. Dies könnte sich als hilfreich erweisen, um mit dem Basisszenario eines vorübergehenden und moderaten Anstiegs der Inflation umzugehen.

Nicht-EWU Staatsanleihen: Neutral

Angesichts des bereits erreichten Niveaus der US-Treasury-Renditen ist dies rein taktisch zu verstehen.

Schwellenländer-Anleihen: Übergewichten

Auf der Suche nach Rendite eröffnen sich hier Kaufgelegenheiten. Höhere langfristige US-Renditen und ein stärkerer USD haben uns aber defensiver und selektiver werden lassen.

Geldmärkte: Untergewichten

Geldmärkte sind nicht interessant. Geldmarktanlagen scheinen allenfalls als Absicherung gegen Unsicherheit erwägenswert.

Alternative Anlagen: Neutral

Solche Anlagen bieten allenfalls Diversifikationspotenzial.

Rohstoffe

Gold: Übergewichten

Wir erwarten, dass der Goldpreis vor dem Hintergrund niedrig bleibender Zinssätze und der monetären Reflationierung der Zentralbanken gut unterstützt bleibt. Darüber hinaus sollte Gold seine Rolle als „sicherer Hafen“ immer wieder entfalten können.

Währungen

EUR-USD

Kurzfristig wird der USD durch steigende US-Anleiherenditen und eine schnellere US-Erholung (auch dank der erfolgreichen Impfkampagne) unterstützt. Längerfristig dürften die sehr akkommodierende Geldpolitik der Fed und die Zwillingsdefizite der USA den USD wieder schwächen.

Unsere Anlagestrategie