AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
14. April 2020

Marktentwicklung & Anlagestrategie

Aktienmärkte bleiben nach Kurseinbruch hochvolatil, deutliches Aufwärtspotenzial im zweiten Halbjahr

Talfahrt wie seit der Finanzmarktkrise nicht mehr

Als die Corona-Epidemie noch auf China beschränkt war, zeigten sich die Aktienmärkte recht entspannt. Mit der Eskalation zur Pandemie aber änderte sich dies schlagartig. In den vier Wochen ab dem 19. Februar verloren die großen Indizes 35 %-40 % an Wert – so viel wie seit der Finanzmarktkrise 2008/09 nicht mehr. Danach kam es zwar zu den typischen, heftigen Gegenbewegungen mit zweistelligen Zuwächsen („bear market rally“). Die bisherigen Jahresverluste summieren sich aber immer noch auf hohe 20 %-25 % bei uns bzw. 15 % in den USA. Ausreißer nach unten sind die Schwellenländer Lateinamerikas (-45 %, Kapitalabflüsse) und – mit Abstrichen – Mittelosteuropas. Relativ besser hielten sich dagegen die asiatischen Märkte, insbesondere China (bisherige Jahresverluste CSI 300: -7½ %, frühe Abflachung der Infektionskurve).

CORONA LÄSST AKTIENMÄRKTE EINBRECHEN

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Die Indizes können nicht erworben werden und beinhalten daher keine Kosten. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Stand: 8.4.2020

Gleichzeitig ist die Verunsicherung an den Märkten noch immer sehr hoch. Das zeigt sich in Tagesschwankungen von mitunter 5 % und mehr. Die impliziten Volatilitäten waren zwischenzeitlich auf oder sogar über die Niveaus der Finanzmarktkrise hochgeschossen (siehe Grafik).

ENORMER ANSTIEG DER VOLATILITÄT

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Die Indizes können nicht erworben werden und beinhalten daher keine Kosten. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Stand: 8.4.2020

Hochvolatile Seitwärtsbewegung – gefolgt von Aufwärtsbewegung im zweiten Halbjahr

Wie aber geht es weiter? Kurzfristig, d. h. über die nächsten 5-10 Wochen rechnen wir mit einer hochvolatilen Seitwärtsbewegung. Dabei könnten die bisherigen Jahrestiefs durchaus noch einmal getestet werden. So sind zwar die Gewinnerwartungen mittlerweile zurückgekommen. Ausgereizt aber scheint das Abwärtspotenzial noch nicht. Zum einen dürfte die Schärfe der Rezession noch nicht gänzlich eingepreist sein. Zum anderen impliziert auch der Vergleich mit der Finanzmarktkrise noch Revisionsbedarf (siehe Grafik).

TIEF DER GEWINNERWARTUNGEN WOHL NOCH NICHT ERREICHT

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Die Indizes können nicht erworben werden und beinhalten daher keine Kosten. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Stand: 8.4.2020

Weil zudem der Risikoappetit – der sich ja auch in den Bewertungen widerspiegelt (siehe Grafik) – in den kommenden Wochen nicht nachhaltig zunehmen dürfte, sind weitere Kursabschläge wahrscheinlich. Das gilt vor allem für die zyklischen Segmente. Die Minuskorrekturen der Gewinnschätzungen für die Sektoren Chemie, Grundstoffe und Industriegüter- bzw. -dienstleistungen rangieren mit bisher 10 %-15 % noch deutlich unter denen der Finanzmarktkrise.

BEWERTUNGSKORREKTUR NOCH NICHT AUSGEREIZT

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Die Indizes können nicht erworben werden und beinhalten daher keine Kosten. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Stand: 8.4.2020

Für das zweite Halbjahr sind wir dann optimistisch und erwarten nachhaltige Kursgewinne – weil mit der V-förmigen Konjunkturerholung auch die Gewinnerwartungen nach oben drehen. Zudem dürften die Märkte damit beginnen, das kommende Jahr einzupreisen. Und das verspricht überdurchschnittliche BIP-Zuwächse von fast 9 % weltweit. Gleichzeitig sollten mit dem Wiederanstieg der Früh- und Stimmungsindikatoren auch die Kurs-Gewinn-Relationen anziehen. Zumindest in der Vergangenheit waren beide eng korreliert (siehe Grafik).

Zum steigenden Risikoappetit kommen dann noch die deutlich unterdurchschnittlichen, sprich günstigen Bewertungen hinzu. Und noch eins spricht für Aktien: Die höhere Dividendenrendite im Vergleich zu den noch länger anhaltenden Null- oder Negativzinsen.

BEWERTUNG UND EINKAUFSMANAGERINDIZES ENG KORRELIERT

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Die Indizes können nicht erworben werden und beinhalten daher keine Kosten. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Stand: 8.4.2020

Ob gegen Jahresende die Indexstände von vor Corona schon wieder erreicht sind, ist angesichts unseres asymmetrischen Konjunkturverlaufs (asymmetrisches V) eher unwahrscheinlich. Aber ein DAX-Wert von 12.500 Punkten, eventuell auch 13.000, bzw. ein Euro STOXX 50-Index von 3.350 Zählern (möglicherweise auch 3.500) sind nicht außer Reichweite – zumindest in unserem Basisszenario nicht. Aber auch hier gilt: Die Risiken sind primär und klar nach unten gerichtet!

Unsere Positionierung

Wir waren zuletzt in Aktien leicht unterdurchschnittlich positioniert und dabei defensiv aufgestellt. Das hat uns im Zuge der Corona-Pandemie zwar gegenüber der Benchmark Pluspunkte beschert, absolut gesehen Verluste aber nicht verhindern können.

An unserer Positionierung wollen wir die kommenden Wochen strategisch wenig ändern. Schließlich erwarten wir bis etwa Jahresmitte noch eine hochvolatile Seitwärtsbewegung mit zwischenzeitlich spürbaren Rücksetzern. Taktisch können wir uns in größere Korrekturphasen hinein Zukäufe vorstellen.

Mittel- bis längerfristig sehen wir wieder nachhaltiges Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte, ohne dass die Corona-Verluste im laufenden Jahr schon wieder ganz wettgemacht werden können. Neben der zu erwartenden spürbaren Belebung von Konjunktur und Gewinnen (V-Form) sprechen dann auch die relativ günstigeren Bewertungen und fehlende renditestarke Alternativen für risikobehaftete Wertpapiere. Längerfristig dürften zyklische Werte wie die Automobilbranche, der Chemie- und Industriesektor oder auch Öl- und Gaswerte wieder in den Fokus der Investoren rücken.

Regional präferieren wir Europa gegenüber den USA. Die Abwärtsrevision der Gewinnerwartungen der Unternehmen im S&P 500-Index sind im Vergleich zu Europa doch deutlich verhaltener ausgefallen. Eine etwas höhere Aufholdynamik der US-Wirtschaft könnte US-Werte mittelfristig wieder interessanter machen. Das gilt längerfristig wohl auch für Schwellenländer.

Rentenmärkte: Staatsanleihen noch lange gut unterstützt, Unternehmensanleihen im Fahrwasser von Aktien

Kräftige Kursgewinne – gefolgt von heftigen Ausschlägen

In Krisenzeiten flüchten Anleger gern in sichere Häfen wie Staatsanleihen. Das war mit dem Übergang der Corona-Epidemie zur Pandemie nicht anders – zumindest zu Beginn. Ab dem 19. Februar kannten die richtungsweisenden Staatsanleihen nur noch eine Richtung: steil nach oben! Die Renditen brachen entsprechend ein. Im 10jährigen Laufzeitsegment fielen sie am 9.3. auf neue Allzeittiefs: -0,9 % bei Bundesanleihen, 0,1 % bei britischen Gilts und 0,3 % bei US-Treasuries. Während Bunds und Gilts in nur zwei Wochen 40 Basispunkte (Bp) verloren, waren es in den USA spektakuläre 100 Ticks (siehe Grafik).

CORONA SORGT FÜR REKORDTIEFS

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Die synthetischen Anleihen können nicht erworben werden und beinhalten daher keine Kosten. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Um die Entwicklung von Staatsanleihen in einem festen Laufzeitbereich abzubilden, werden s.g. synthetische Anleihen berechnet. Dabei wird jeweils die zum relevanten Zeitpunkt „passendste“ reale (echte) Staatsanleihe als Reverenz für die Renditechance der synthetischen Anleihe herangezogen. Abgebildet wird nachfolgend die Entwicklung der erwarteten Rendite bis zur Endfälligkeit unter folgenden Voraussetzungen: Bedingungsgerechte Bedienung der Zinszahlungen und Einlösung, Halten bis Endfälligkeit. Insoweit handelt es sich um eine Renditechance. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Stand: 8.4.2020

Was dann kam, glich allerdings einer wahren Achterbahnfahrt. Binnen acht Handelstagen schossen die Renditen um 60-70 Bp nach oben und erreichten in Kontinentaleuropa sogar neue Jahreshochs. Ursache dafür waren zum einen die gigantischen Fiskalprogramme. Sie nährten nicht nur die Hoffnung auf eine weniger schlimme Rezession, sondern auch die Sorgen um eine rasant steigende Staatsverschuldung. Zudem kam es, zumindest kurzzeitig, zur Flucht in die Liquidität, unter der auch die ansonsten „sicheren Häfen“ Staatsanleihen und Gold zu leiden hatten. Als dann jedoch klar wurde, dass die Notenbanken unter Führung der Fed unbegrenzt Wertpapiere kaufen würden, waren Staatsanleihen wieder stark gefragt. Die Renditen gingen erneut auf Talfahrt.

Nur ein Anleihemarkt machte die Achterbahnfahrt nicht mit, Italien. Dort schossen die Renditen aus Angst vor dem rasanten Anstieg der öffentlichen Verschuldung schon kurz nach Pandemiebeginn regelrecht in die Höhe (+140 Bp auf 2,40 %). Der BTP-Bund-Spread weitete sich entsprechend aus. Erst als offensichtlich wurde, dass die EZB mit ihren neuen Pandemie-Kaufprogramm PEPP italienische Staatsanleihen auch über den Kapitalschlüssen hinaus erwerben kann und das Land möglicherweise unkonditionierten Zugang zu ESM-Mittel bekommen könnte, begann sich die italienisch-deutsche Renditedifferenz wieder spürbar einzuengen (siehe Grafik).

CORONA SORGT ZWISCHENZEITLICH FÜR REKORDTIEFS

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Anmerkung zu synthetischen Anleihen siehe Fußnote der ersten Grafik im Rententeil. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Quelle: Refinitiv Datastream, UniCredit Bank. Stand: 8.4.2020

Trotzdem rentieren italienische Staatspapiere (10J) seit Corona wieder über Jahresbeginn. Das gilt auch für Spanien. In Deutschland hingegen liegt das Renditeniveau noch immer darunter (-25 Bp) – in Großbritannien (-50 Bp) und vor allem in den USA (-130 Bp) sogar recht deutlich.

Bodenbildung, gefolgt von schleichendem Renditeanstieg

Wie aber geht es weiter? Für die kommenden Wochen erwarten wir die Staatsanleihemärkte zurück in ruhigerem Fahrwasser. Die enorme Volatilität ist bereits auf dem Rückzug, nachdem sich die Investoren auf das drastisch veränderte geld- und fiskalpolitische Umfeld eingestellt haben. Folglich dürften die Renditen bis Jahresmitte auf den gegenwärtigen Niveaus weitgehend seitwärts tendieren. Die kurzfristigen Ausschläge sollten dann im Wesentlichen vom Auf und Ab der generellen Risikoneigung abhängen. Mit nachhaltigen neuen Renditetiefs rechnen wir in unserem Basisszenario nicht mehr, wohl aber mit Rückschlägen.

Im zweiten Halbjahr dürfte dann der Renditetrend eher nach oben driften. Dafür sprechen im Wesentlichen drei Gründe:

1. Mit der konjunkturellen Erholung (V-Form) hat auch die Realzinskomponente der Nominalrendite wieder Aufwärtspotenzial. Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima sind eng mit den Langfristzinsen korreliert (siehe Grafik). Angesichts der etwas prononcierteren Belebung in den USA könnte dort der Anstieg der Realzinskomponente akzentuierter ausfallen als in Europa.

GASCHÄFTSKLIMA UND RENDITEN ENG KORRELIERT

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Anmerkung zu synthetischen Anleihen siehe Fußnote der ersten Grafik im Rententeil. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Stand: 8.4.2020

2. Aufwärtspotenzial sehen wir auch für die Inflationskomponente. Die Inflationserwartungen sind mit Ausbruch der Corona-Pandemie stark zurückgegangen. Hier dürfte der Boden weitgehend erreicht sein. Mittelfristig sollten sie wieder anziehen (V-förmige Konjunkturerholung), wenn auch nur moderat.

BESSERES GASCHÄFTSKLIMA SORGT FÜR STEIGENDE RENDITEN

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Anmerkung zu synthetischen Anleihen siehe Fußnote der ersten Grafik im Rententeil. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Stand: 8.4.2020

3. Last, but not least könnte dann auch die Risikoprämie nach oben driften – weil die Diskussion um die öffentliche Verschuldung eher noch zu- denn abnehmen sollte. Die Zahlen dürften spürbar nach oben gezogen werden – in den angelsächsischen Ländern wohl auch noch für das kommende Jahr (siehe Grafik).

DEUTLICH STEIGENDE ÖFFENTLICHE VERSCHULDUNG

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung.

Die bereits angelaufene Debatte über die Tragfähigkeit der öffentlichen Verschuldung ist in unseren Augen allerdings überzogen. Zum einen ist die Neuverschuldung zumindest im Euroraum praktisch zum Nulltarif zu haben, zum zweiten wird die neue Staatsschuld faktisch gänzlich von der Notenbank aufgekauft („linke Tasche, rechte Tasche“) und drittens trägt sie zu einer raschen Erholung bei. Damit könnte der Verschuldungsgrad nach ein, zwei Jahren schon wieder sinken (anders als bei einem konjunkturellen „L“).

Weil aber die Notenbanken ihre Anleihekaufprogramme nicht vor kommendem Jahr zurückfahren (im Zweifelsfall sogar noch weiter aufstocken) werden, dürfte der Renditeanstieg ab dem zweiten Halbjahr in den USA recht moderat ausfallen, sich bei uns sogar nur schleichend vollziehen. Die Staatsanleihemärkte bleiben insgesamt noch das ganze Jahr über gut unterstützt.

Unsere Positionierung

Deutlich negativ bleibende Renditen (nominal wie real) sind kein Umfeld, von unserer Untergewichtung europäischer Staatsanleihen abzurücken. In den USA, wo wir schon länger neutral aufgestellt waren, sind die Renditepotenziale zwar relativ höher. Mittel- bis längerfristig aber drohen auch jenseits des Atlantiks Kursverluste. Wir sehen deshalb auch hier keinen Grund, uns strategisch aggressiver zu positionieren.

Europäische Unternehmensanleihen mit guter Bonität bieten Renditevorteile zu Staatsanleihen (inkorporieren aber auch höhere Risiken). Perspektivisch sind deshalb nach wie vor Engagements in europäischen Unternehmensanleihen guter Bonität („investment grade“) angedacht, auch weil wir einen substanziellen Rückgang der Risikoaufschläge (Spreads) erwarten. Hochwertige Unternehmensanleihen dürften weitgehend im Fahrwasser von Aktien segeln. Wir würden dabei kürzere Laufzeiten (1 bis 5 Jahre) präferieren. Im Hochzinssegment bleiben wir nach wie vor sehr zurückhaltend.

MIT BESSERER KONJUNKTUR UND EZB-KÄUFEN SOLLEN SICH DIE SPREADS WIEDER EINENGEN

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Anmerkung zu synthetischen Anleihen siehe Fußnote der ersten Grafik im Rententeil. Bei einer Anlage in Wertpapieren fallen Kosten an, welche die Wertentwicklung reduzieren. Stand: 8.4.2020

US-Unternehmensanleihen haben wir angesichts der schlechten Kreditqualität und negativen Ratingdrift schon länger auf „untergewichten“ gestellt und nicht im Portfolio. Schwellenländeranleihen sind angesichts der spürbar gestiegenen Risiken weniger interessant geworden. Wir sind dabei, die Position zu reduzieren.

Währungen: EUR-USD erst im 2. Halbjahr mit Aufwärtspotenzial

USD als Corona-Gewinner, Pfund und Schwellenländer als Verlierer

Corona hat auch die Währungsmärkte durcheinandergewirbelt. Sichtbarste Zeichen sind die stark gestiegenen Schwankungen der Wechselkurse. Nach jahrelanger Lethargie schoss die Volatilität von EUR-USD auf Werte wie seit der Staatsschuldenkrise nicht mehr, blieb aber hinter den Niveaus der Finanzmarktkrise zurück (siehe Grafik). Dabei markierte das Währungspaar innerhalb von nur 10 Handelstagen sowohl das bisherige Jahreshoch (1,1456) als auch das Jahrestief (1,0707).

EUR-USD: VOLATILITÄT MASSIV GESTIEGEN

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Bei der Währungsentwicklung sind anfallende Erwerbs- und Verwahrkosten nicht berücksichtigt. Stand: 8.4.2020

Jenseits von Tagesschwankungen und auf handelsgewichteter Basis lassen sich aber klare Trends ausmachen. In Zeiten von Corona konnte insbesondere der US-Dollar seinen Sicheren-Hafen-Status ausspielen und dabei den japanischen Yen bzw. den Schweizer Franken deutlich hinter sich lassen. Aber selbst der Euro, dem das Prädikat „Sicherer Hafen“ normalerweise nicht zukommt, konnte zulegen (siehe Grafik).

Rückschläge mussten neben dem britischen Pfund vor allem die Schwellenländer hinnehmen. Ihre Währungen verloren meist zweistellig. Das liegt an den massiven Kaitalabflüssen. Laut Institute of International Finance (IIF) wurden allein im März rekordhohe 80 Mrd. USD aus den dortigen Aktien- und Anleihemärkten abgezogen. Sie kamen naturgemäß dem liquidesten Währungsmarkt, dem USD, zugute – dem Euro dagegen weniger. Kein Wunder also, dass EUR-USD während der Corona-Krise per saldo nachgegeben hat. Aktuell notiert das Währungspaar bei 1,0870.

DOLLAR ALS CORONA-GEWINNER, SCHWELLENLÄNDER ALS VERLIERER

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Bei der Währungsentwicklung sind anfallende Erwerbs- und Verwahrkosten nicht berücksichtigt. Stand: 8.4.2020

EUR-USD dürfte im 2.Halbjahr wieder zulegen, aber nur moderat

Bis Jahresmitte dürfte sich nur wenig ändern. Die wichtigsten Währungspaare sollten in den kommenden Monaten unter Schwankungen weitgehend seitwärts tendieren. Dabei könnten zwischenzeitlich die bisherigen Tiefs von EUR-USD durchaus noch einmal getestet werden, möglicherweise auch unterschritten.

Für das zweite Halbjahr sind wir dann wieder zuversichtlich und sehen EUR-USD nach oben driften. Unterstützung kommt dabei insbesondere von dem mit der weltwirtschaftlichen Erholung einhergehenden steigenden Risikoappetit der Anleger. Die „safe haven-flows“ dürften dann sukzessive zurückgeführt werden. Das sollte dem Greenback mehr schaden als dem Euro.

Dann könnte auch die strukturelle Unterstützung für EUR-USD wieder stärker zum Tragen kommen. Das Schlagwort hier lautet „twin deficits“. Sicher, die Haushaltsdefizite dürften 2020 dies- und jenseits des Atlantiks anschwellen. Im kommenden Jahr erwarten wird dann zwar eine Verbesserung. Die Fehlbeträge sollten im Euroraum aber deutlich stärker zurückgehen als in den USA (siehe Grafik). Bei den Leistungsbilanzen gibt es dann sogar eine absolute Scherenbewegung. Darauf werden die Währungsmärkte wohl zunehmend ihren Blick richten.

ZWILLINGSDEFIZITE IN DEN USA ALS HYPOTHEK FÜR DEN USD

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung.

In Sachen Zins- und Konjunkturvorsprung müssen wir unsere bisherige Argumentation dagegen anpassen. Nachdem in beiden Wirtschaftsregionen die konjunkturelle Entwicklung (Rezession, V-förmige Erholung) weitgehend synchron verlaufen dürfte und die wirtschaftspolitischen Maßnahmen nahezu deckungsgleich sind, ist unser bisheriges zyklisches Argument eines Konjunktur- und Zinsverlaufs zugunsten des Euro hinfällig geworden.

Wenn man überhaupt Unterschiede herausarbeiten will, dann die etwas ausgeprägtere US-Erholung. Für sich genommen spräche das eher für den US-Dollar und schmälert die Durchschlagskraft der beiden pro Euro-Argumente. Insgesamt können wir damit zwar bei unserer bisherigen Erwartung einer mittelfristigen Befestigung von EUR-USD bleiben (siehe Grafik). Sie wird aber wohl verhaltener ausfallen als noch vor Corona projektiert. Ob wir bis Ende des Jahres ein neues Jahreshoch markieren, ist fraglich.

EUR-USD: AB DEM 2. HALBJAHR NUR MODERAT NACH OBEN

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Bei der Währungsentwicklung sind anfallende Erwerbs- und Verwahrkosten nicht berücksichtigt. Stand: 8.4.2020

Unsere Positionierung

Die Corona-Pandemie hat insbesondere dem US-Dollar Auftrieb gegeben. Ihm kam auch die massive Kapitalflucht aus den Schwellenländern zugute. EUR-USD gab tendenziell nach, die Volatilität stieg deutlich. Kurzfristig erwarten wir eine volatile Seitwärtsbewegung. Im zweiten Halbjahr dürfte es mit EUR-USD aber wieder nach oben gehen, allerdings recht überschaubar. Eine leichte Untergewichtung des US-Dollars erscheint dann ratsam.

Rohstoffe: Öl hat nach dem Ausverkauf wieder Aufwärtspotenzial, Gold bleibt gut unterstützt

Ölpreis kollabiert, Gold hätte mehr glänzen können

Corona hat die Scherenentwicklung zwischen Industrierohstoffen einerseits und Gold andererseits drastisch verschärft. Industriemetalle – seit der Erwartung der Wachstumsrezession in China Ende Januar ohnehin schon unter Abgabedruck – rutschten mit Ausbruch der (weltumspannenden) Pandemie noch weiter ab und liegen nun 20 % unter Jahresbeginn.

Das aber ist noch bescheiden im Vergleich zum Ölpreis, der im März regelrecht kollabierte. Binnen gut fünf Wochen hat er sich mehr als gedrittelt. Ende März sackten die Notierungen für Nordseeöl (Brent Future) dabei erstmals seit Januar 2002 unter die Marke von 20 USD pro Fass. Es war aber nicht nur die Angst vor der Weltrezession, die zum Kollaps führte. Anfang März provozierte Saudi-Arabien nämlich einen regelrechten Preiskrieg mit der Ankündigung, seine Förderung auszuweiten. Zuvor waren die Gespräche der OPEC mit Russland über eine „globale“ Förderkürzung völlig unerwartet gescheitert. Erst der Tweet Donald Trumps, er vermittle zwischen beiden Ländern, hievte den Ölpreis wieder über die 30 USD-Marke.

CORONA VERSCHÄRFT SCHERENENTWICKLUNG VON GOLD UND ÖL

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Bei der Rohstoffentwicklung sind anfallende Erwerbs- und Verwahrkosten nicht berücksichtigt. Stand: 8.4.2020

Bei Gold dagegen war alles bereitet für einen regelrechten Höhenflug: Weltrezession, hochschnellende Volatilitätsindizes an den Finanzmärkten, gigantische Liquiditätsausweitung bzw. Kaufprogramme der Notenbanken sowie rasch ausufernde Staatsdefizite. Nach Ausbruch der Epidemie bzw. Pandemie legte der Goldpreis dann auch zu – aber nicht gerade spektakulär. Mehr noch, Mitte März brach er sogar wieder ein. Die Jahresbilanz rutschte in negatives Terrain. Der teurere US-Dollar, der Corona-bedingte Ausfall der physischen Nachfrage der Großverbraucher China und Indien sowie der Stopp von Goldkäufen der russischen Zentralbank wurden als Gründe angeführt. Aber auch die Flucht in Liquidität dürfte maßgeblich dazu beigetragen haben, zwang sie doch Investoren zur Rückführung ihrer (Papier)Goldbestände.

Gold bleibt gut unterstützt, Ölpreis sollte Verluste zum Teil wettmachen

Wichtiger als der Blick in den Rückspiegel aber ist der nach vorn. Gold dürfte zumindest die kommenden Monate eher noch nach oben driften und dabei auch die Marke von 1.700 USD pro Feinunze testen. Es dauert noch, bis die Pandemie ihren Zenit erreicht hat und die Unsicherheiten abzunehmen beginnen. Mit zunehmenden Risikoappetit der Anleger steigt dann der Abwärtsdruck auf die Goldnotierungen, zumal die Spekulantenposition nach einem kurzen „dip“ bereits wieder extrem „long“ ist (siehe Grafik) und damit Rückschlagsgefahren birgt.

SPEKULANTEN WETTEN AUF GOLDPREISANSTIEG

Bitte beachten Sie: Vergangenheitswerte und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für eine zukünftige Entwicklung. Stand: 8.4.2020

Andererseits sollte mittelfristig der US-Dollar wieder nachgeben (was Käufe außerhalb des Dollarraums verbilligt) und gleichzeitig die physische Nachfrage sich normalisieren. Das zieht, wie auch die negativ bleibenden Realzinsen (Opportunitätskosten der Goldhaltung), ein Sicherheitsnetz unter die Notierungen. Sie dürften insgesamt gut unterstützt bleiben.

Mit der konjunkturellen Erholung (V-Form) im zweiten Halbjahr sollte auch die Nachfrage und damit der Preis von Rohöl wieder anziehen. Möglicherweise steigen die Notierungen schon früher, wenn sich die Spekulationen über eine baldige Einigung von OPEC und Russland auf globale Förderkürzungen bewahrheiten sollten. Ein Preisanstieg auf oder etwas über 40 USD pro Fass Brent erscheint möglich, viel mehr aber auch nicht. Die 2020er Jahresbilanz wird dann, anders als bei Gold, rot eingefärbt bleiben. Das gilt wohl auch für die Industriemetalle.

Unsere Positionierung

Bei Rohstoffen hatten wir unsere Goldposition bereits frühzeitig aufgestockt (übergewichtet). Gold sollte auch künftig seinen Absicherungscharakter entfalten können. Daneben haben wir aktuell keine Allokation in der Anlageklasse „Rohstoffe“. Bei Rohöl würden nun sogar wieder Rollverluste drohen, nachdem die aktuellen Notierungen unter die nach oben gerichteten Terminkurse gefallen sind („Contango“).

Marktentwicklung & Anlagestrategie