AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
28. Juli 2021

Im Fokus & Unsere Anlagestrategie

In dieser kombinierten “In Focus & Unsere Anlagestrategie”-Rubrik wollen wir Ihnen einen ausführlichen Rück- und Ausblick auf die wichtigsten Anlageklassen sowie eine prägnante Zusammenfassung unserer aktuellen Positionierung in allen Anlageklassen bieten.

Aktienmärkte: Stark

Der Rückblick: Sehr gutes erstes Halbjahr 2021

 

Während in der zweiten Jahreshälfte 2020 europäische Aktienmärkte noch verhaltener zulegten als der Rest der Welt, war das erste Halbjahr 2021 geprägt von einer fulminanten Rally auch in Europa (siehe Grafik 9). Zwischenzeitlich lag der alte Kontinent sogar vor den USA. Am Ende des zweiten Quartals aber konnten die Märkte jenseits des Atlantiks noch einmal spürbar anziehen und die europäischen Indizes knapp ausstechen. Zum 30.6.2021 standen bei nordamerikanischen Aktien ein kumuliertes Halbjahresergebnis von +14,3 % auf dem Kurszettel, dicht gefolgt von Europa mit +13,6 % (MSCI-Indizes). Deutlich zurück lagen die Schwellenländer, deren Performance insbesondere durch die schwächere Entwicklung chinesischer Werte (1. Halbjahr: nur +1,2 %) eingebremst wurde. Im Regionenvergleich schnitt das Pazifik-Segment mit +2,7 % am schwächsten ab.

Die Erholungsrally befeuerte im ersten Halbjahr 2021 also insbesondere die Aktienmärkte der westlichen Industrienationen, während die Schwellenländer zusammen mit Asien/Pazifik nach dem fulminantem Jahr 2020 eine Verschnaufpause einlegten. Das liegt einerseits daran, dass China in Sachen post-Corona-Normalisierung schon deutlich weiter fortgeschritten ist („first-in, first out“) und somit strukturelle Probleme, die auch schon vor der Pandemie die Märkte beeinflussten, stärker zum Tragen kommen. Dazu zählt beispielsweise die hohe Verschuldung von Unternehmen und Provinzen, aber auch die zunehmende Konfrontation mit dem Westen. Andererseits verschärfte sich die Corona-Infektionslage u.a. in Indien, was zu einem harten Lockdown führte und Wirtschaft sowie Märkte nach unten zog. Die steigenden Rohstoffpreise beeinflussen die Schwellenländer hingegen in unterschiedlichem Maße. Einerseits profitieren Rohstoffproduzenten, andererseits sahen sich Länder wie China steigenden Preisen für Ausgangsprodukte gegenüber, die nicht immer an die Kunden weitergereicht werden konnten.

Während europäische Aktien im ersten Halbjahr 2021 mehr oder weniger gleichauf mit Nordamerika abschlossen und somit besser als die Schwellenländer- und die Pazifikregion performten, läuft der alte Kontinent in der längerfristigen Perspektive noch immer hinterher, zum Teil sogar deutlich (siehe Grafik 10). So tendierten europäische Aktien auf Basis der MSCI-Preisindizes zwischen 2016 und 2020 kaum mehr als seitwärts. Erst im Herbst 2020 setzte die Rally ein, die bis Jahresmitte anhielt und die Aktienindizes auf neue Höchststände trieb. Die entsprechenden Nordamerika-Werte haben sich im gleichen Zeitraum hingegen verdoppelt. Der Index der Schwellenländer liegt etwas hinter seinem nordamerikanischen Pendant zurück. Die Lücke zwischen Europa und der Pazifik-Region (Industrieländer) ist in der ersten Jahreshälfte 2021 aber geschrumpft.

Der Ausblick: Breite wirtschaftliche Erholung als Unterstützung

 

Die Aktienmärkte folgen in groben Zügen der Entwicklung der Gewinnerwartungen. Das lässt sich sehr deutlich an der relativen Entwicklung während der Corona-Krise veranschaulichen. In Europa waren die Gewinnerwartungen im ersten Halbjahr 2020 stärker eingebrochen als etwa in Nordamerika oder in den Schwellenländern (siehe Grafik 11). In der Pazifikregion waren die Minuskorrekturen zum Höhepunkt der Krise zwar ähnlich stark ausgeprägt wie in Nordamerika, die Erholung danach lange Zeit aber deutlich verhaltener. Im laufenden Jahr legten die Gewinnerwartungen in Europa und Nordamerika mit jeweils +20,8 % stärker zu als in den Schwellenländern (1. Halbjahr: +14,5 %) oder in der Pazifik-Region (+14,2 %).

Ein weiterer Zusammenhang ist hier interessant. Im Jahr 2020 übertraf die Aktienperformance in allen Regionen die Erholung der Gewinnerwartung. Daraus folgt, dass die Bewertungen, sprich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Ende letzten Jahres höher waren als Anfang 2020. Diese Entwicklung hat sich im ersten Halbjahr 2021 umgekehrt. Die Aktienindizes legten weniger stark zu als die Gewinnerwartungen. Somit waren die Bewertungen rückläufig (siehe Grafik 12).

Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht den Zusammenhang. Das KGV wird ermittelt, indem man den Kurs durch den (erwarteten) Gewinn einer Aktie dividiert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt also das Vielfache des (erwarteten) Jahresgewinns an, den ein Anleger für eine Aktie bezahlt. Steigt der Kurs beispielsweise um 15 %, die Gewinnerwartung aber um 20 %, so verringert sich das KGV um den Faktor (1+0,15)/(1+0,20) = 0,958. Im Umkehrschluss bedeutet ein konstantes KGV, dass sich der Kurs im Gleichklang mit dem (erwarteten) Gewinn bewegt.

Das aber heißt, dass in der Frühphase der post-Corona-Erholung die Märkte stärker gestiegen sind als die Gewinnerwartungen, während sich aktuell diese Entwicklung umkehrt. Die Märkte haben also ein Teil der Erholung schon vorweggenommen. Eine derartige Entwicklung ist, insbesondere angesichts der V-förmigen Erholung, nicht ungewöhnlich.

Unsere Positionierung

Die Aktienmärkte bleiben vor dem Hintergrund der Erholung der Weltwirtschaft – alimentiert durch die geld- bzw. fiskalpolitischen Impulse im Verbund mit den zunehmenden Impferfolgen – im laufenden Jahr insgesamt gut unterstützt. Allerdings liegt vermutlich der größte Teil der post-Corona-Rally bereits hinter uns. Hinzu kommt, dass die Sorgen über Virus-Varianten, welche die Konjunkturerholung verzögern könnten, die Stimmung an den Märkten immer wieder beeinträchtigen dürften. Eine volatile Seitwärtsbewegung in den Sommermonaten ist daher ein durchaus denkbarer EntwickIungspfad für Aktien. Insgesamt aber übersteigen die Chancen das Risikopotential doch deutlich, auch aufgrund der niedrigen Zinslandschaft. Einerseits können sich Unternehmen dadurch sehr günstig finanzieren, andererseits machen niedrige und sogar negative Renditen Aktien mehr oder weniger alternativlos. Wir bleiben deswegen in Aktien überdurchschnittlich positioniert, setzen also auf eine robuste Aktienmarktentwicklung. In diesem Umfeld dürften zyklische Werte wie die Chemie- und Industriesektoren zunehmend in den Fokus der Investoren rücken.

Regional präferieren wir Europa gegenüber den USA. Europa ist epidemiologisch gut aufgestellt, verfügt über Industrien, die in der Erholungsphase der Weltwirtschaft gefragt sein dürften, und weist im Schnitt günstigere Bewertungen auf. Auch Schwellenländer bleiben interessant.

Rentenmärkte: Schwach

Der Rückblick: Renditevolatilität hält Anleger in Atem

Die Renditen länger laufender Staatsanleihen sind vor allem im ersten Quartal deutlich angestiegen. US-Treasuries waren im besonderen Maße betroffen. Die entsprechende 10-jährige Rendite kletterte zwischenzeitlich auf 1,75 % – ein kräftiger Anstieg im Vergleich zu einem Renditeniveau von unter 1 % zum Ende letzten Jahres. Im zweiten Quartal sind die Renditen im USD-Raum dann wieder zurückgegangen. Im Euroraum hingegen sind sie im Schnitt weniger stark gestiegen. Zudem war die Entwicklung über die beiden Quartale hinweg gleichförmiger (siehe Grafik 13).

Ein wesentlicher Treiber an den Rentenmärkten waren neben den steigenden Inflationserwartungen die Einschätzungen der zukünftige Notenbankpolitik. In den USA hat die von der Federal Reserve veröffentlichte Prognose der Notenbankgouverneure, die nun die ersten Zinsanhebungen bereits für das Jahr 2023 erwarten, für einigen Wirbel gesorgt. Das hat Spuren im kürzeren und mittleren Laufzeitsegment der USD-Kurve hinterlassen. Die entsprechenden Renditen sind deutlich gestiegen und haben sich auch in der Phase rückläufiger Langfristzinsen nicht wieder zurückgebildet.

Die Entwicklungen am Rentenmarkt lassen sich sehr schön anhand der Realrendite veranschaulichen, also dem inflationsbereinigten Langfristzins. Dazu haben wir in der Grafik 14 den 10-jährigen EUR-Swapsatz herangezogen und vergleichen sie mit der impliziten Inflationserwartung (für den Zeitraum der kommenden 10 Jahre). Letztere kann aus den sogenannten Inflationsswaps abgeleitet werden. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass sich sowohl der Zinssatz als auch das Inflationsmaß auf denselben Zeitraum beziehen und somit keine zeitlichen Inkonsistenzen entstehen. Als Differenz der beiden Größen erzielen sich die 10-jährige Realrendite, also diejenige inflationsbereinigte Rendite, die ein Anleger erwirtschaften würde, der bei dem aktuellen 10-Jahres Swapsatz anlegt – unter der Annahme, dass sich die Inflation in den kommenden zehn Jahren genauso entwickelt wie in den Inflationsswaps erwartet.

Diese Realrendite ist sowohl für den Euroraum als auch für die USA (hier nicht dargestellt) tief im negativen Bereich (siehe Grafik 14). Das bedeutet, dass Anleger sich mit einer deutlich negativen inflationsbereinigten Rendite begnügen müssen, wenn sie zu aktuellen Konditionen in sichere festverzinsliche Papiere investieren, diese bis zur Endfälligkeit halten und sich die Inflation bei durchschnittlich 1,6 % einpendeln würde. Das aber heißt, dass die Inflationsswaps einen eher moderaten Zinspfad einpreisen, bei dem sich nach der aktuellen Phase erhöhter Inflation in ein bis zwei Jahren eine Teuerung von deutlich unter 2 % einstellen sollte.

Der Ausblick: Debatte über das Zurückfahren der Anleihekäufe wird den Herbst bestimmen

Die EZB wird auch in den kommenden Monaten ihre extrem expansive Geldpolitik fortführen und damit die Renditen auf niedrigem Niveau halten – für viele „sichere Häfen“ sogar im negativen Terrain. Bereits im Herbst werden aber sowohl die Fed als auch die EZB über die Zukunft ihrer Anleihekaufprogramme debattieren und entscheiden müssen. Das sogenannte PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) der EZB ist derzeit auf den März 2022 terminiert. Für die Europäische Zentralbank wird aber nicht nur das absolute Kaufvolumen entscheidend sein. Neben dem PEPP läuft ja das seit 2015 bestehende gängige Kaufproramm weiter (APP, Asset Purchase Programm). Während die EZB im Rahmen des PEPP monatlich derzeit für ca. 80 Mrd Euro Anleihen kauft, sind es beim APP etwa 20 Mrd. Neben dem höheren Kaufvolumen im PEPP – das zumindest teilweise auch auf das APP überwälzt werden könnte – unterscheiden sich beide Programme auch in ihrer Flexibilität. Während die EZB im PEPP mehr oder weniger frei entscheiden kann, wie viele Staatsanleihen sie aus den jeweiligen Mitgliedsstaaten kaufen will, sind die Anteile im APP fixiert. Die PEPP-Flexibilität hat in Pandemiezeiten ein Auseinanderdriften der Zinsbedingungen in den einzelnen Mitgliedsländern verhindert. In den ersten Monaten von Corona ist die Zinsdifferenz beispielsweise zwischen Italien und Spanien einerseits und Deutschland andererseits stark gestiegen, da die beiden Peripherieländer deutlich stärker von der Pandemie getroffen wurden und somit die wirtschaftlichen Folgen für sie auch dramatischer waren.

Unsere Positionierung

Deutlich negativ bleibende Zinsen und Renditen (nominal wie real) sind für uns kein Grund, von unserer Untergewichtung top-bewerteter europäischer Staatsanleihen abzurücken. In diesem Umfeld erachten wir Papiere der Peripherieländer Italien und Spanien interessanter als beispielsweise Bundesanleihen. Einen erheblichen positiven Performancebeitrag dürften aber diese Papiere derzeit nicht liefern. Auch bei US-Treasuries sehen wir keinen Grund, uns strategisch aggressiv zu positionieren, drohen bei weiter steigenden Renditen doch Kursverluste.

Europäische Unternehmensanleihen mit guter Bonität bieten Renditevorteile zu Staatsanleihen (inkorporieren aber auch höhere Risiken). Hinzu kommt die stark bleibende EZB-Nachfrage, denn die Notenbank wird im Rahmen von APP auch weiterhin Unternehmensanleihen erwerben. Engagements in europäischen Unternehmensanleihen guter Bonität („investment grade“) bleiben interessant. Wir erwarten zumindest eine stabile Entwicklung bei den Risikoaufschlägen („spreads“) und würden dabei kürzere Laufzeiten (1 bis 5 Jahre) präferieren. Auch bei hochwertigen US-Unternehmensanleihen sehen wir Renditepotenziale. Im Hochzinssegment bleiben wir indes generell zurückhaltend. Auf der Suche nach Rendite eröffnen sich auch Kaufgelegenheiten für Schwellenländeranleihen. Höhere langfristige US-Renditen und ein vorübergehend stärkerer USD haben uns hier aber defensiver und selektiver werden lassen.

Währungen und Rohstoffe: EUR-USD und Gold mit leichtem Aufwärtspotenzial

Der Rückblick: US-Dollar gibt insgesamt nach

Während der US-Dollar in der Frühphase der Corona-Krise als globaler „sicherer Hafen“ bei Anlegern noch stark gefragt war und deutlich zulegen konnte, vollzogen die Währungsmärkte danach eine Kehrtwende. Der Greenback musste deutlich Federn lassen, sodass EUR-USD bis in das Jahr 2021 hinein zulegte und zeitweise die Marke von 1,22 erreichte. Seither schwankt der Wechselkurs in einer Bandbreite zwischen 1,18 und 1,22 – ohne dass sich ein neuer Trend etablieren konnte. Zum Ende des ersten Halbjahres handelte EUR-USD am unteren Ende dieser Handelsspanne, hat aber durchaus das Potential, bis Jahresende wieder die obere Grenze zu erreichen. Vor dem Hintergrund eines vermutlich weitgehend ähnlich verlaufenden Konjunkturzyklus in den USA und Europa (der US-Vorsprung im Frühjahr dürfte sich mit dem Sommer umdrehen) und ähnlich negativen Realrenditen in beiden Währungsräumen spricht wenig für einen ausgeprägten Währungstrend über den kürzeren Zeithorizont.

Nach dem Höhenflug im letzten Jahr hat sich der Goldpreis im ersten Halbjahr 2021 in einer volatilen Seitwärtsbewegung entwickelt. Dabei war die USD-Realrendite die treibende Kraft. Mit steigender (d.h. weniger negativer) Realrendite fiel der Goldpreis zeitweise auf Werte unter 1.700 US-Dollar pro Feinunze, konnte sich dann aber wieder befestigen und schloss das zweite Quartal bei 1.770 USD. Zeitweise kletterte der Goldpreis sogar wieder in den Bereich von 1.900 USD.

Ausblick und Positionierung: Zunehmender Risikoappetit stützt EUR-USD, Gold von niedrigen Realrenditen unterstützt

Der Risikoappetit global agierender Anleger bleibt auch im zweiten Halbjahr 2021 ein bestimmender Faktor für die Währungsmärkte. Zwischenzeitlich könnten wieder steigende regionale oder lokale Corona-Fallzahlen (neue Virusvarianten) striktere Lockdownmaßnahmen erforderlich machen und so vorübergehend zu wichtigen Treibern für die Wechselkurse werden. Generell aber dürfte mit der zunehmenden weltwirtschaftlichen Erholung der Bedarf an „sicheren Häfen“ wie dem USD abnehmen. Das hilft dem Euro ebenso wie strukturelle Vorteile (bessere Haushalts- und Leistungsbilanzsalden). Eine leichte Untergewichtung des Greenback erscheint vor diesem Hintergrund angezeigt. Wir raten dazu, US-Engagements im festverzinslichen Bereich währungszusichern – auch wenn es per se Performance kostet.

Der Goldpreis bleibt aus unserer Sicht gut unterstützt. Mit der erwarteten wirtschaftlichen Erholung sollte auch die Güterpreisinflation anziehen, letztlich aber nur moderat. Da jedoch die Geldpolitik expansiv bleibt, dürfte die Lücke zwischen Nominalzinsen und Inflationsrate größer werden, die Realrenditen könnten folglich noch weiter in negatives Terrain abrutschen. Rückläufige Opportunitätskosten der Goldhaltung stützen indes den Preis des Edelmetalls. Darüber hinaus kann Gold auch künftig seinen Absicherungscharakter gegen Marktrücksetzer entfalten. Selbst wenn die Realrenditen nicht noch weiter in den negativen Bereich rutschen sollten, ist der Goldpreis durch das aktuelle Niveau sehr gut unterstützt.

Asset Allocation

Aktien

Aktien global: Übergewichten

Die Kombination aus massiven fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen, Impferfolgen und einer sich verstärkenden globalen Erholung stützt Aktien, trotz der immer noch anhaltenden Unsicherheit aufgrund der Pandemie (Corona-Mutationen).

Aktien Europa: Übergewichten

Die Geld- und Fiskalpolitik ist sehr expansiv. Gleichzeitig nimmt die Wirtschaft mächtig Fahrt auf, was die Frühindikatoren belegen. Die höhere Gewichtung von Value- und zyklischen Sektoren gegenüber dem US-Aktienmarkt und interessante Dividendenrenditen, die deutlich über den Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen liegen, unterstützen genauso wie günstigere Bewertungen.

US-Aktien: Neutral

Die boomende US-Wirtschaft aufgrund der sehr expansiven Fiskalpolitik von Präsident Biden stützt den Markt ebenso wie die raschen Impferfolge. Die hohe Bewertung gegenüber z. B. europäischen Aktien belastet.

Schwellenländer-Aktien: Übergewichten

Wir bevorzugen China und generell asiatische Länder, in denen die Wachstumsrate jenseits kurzfristiger Ausschläge höher ist. Eine ausgeprägte Länder- und Sektorselektion wird aber dringend empfohlen. Niedrige Impfraten geben Anlass zur Sorge.

Asien-Pazifik-Aktien (Entwickelte Märkte): Neutral

Japanische Aktien werden durch die globale Erholung und die hohe Gewichtung wertorientierter/zyklischer Sektoren unterstützt. Belastungen resultieren aus steigenden Inzidenzen bzw. niedrigen Impfquoten.

Renten

Renten Global: Untergewichten (zuvor: neutral)

Anleihen sind anfällig geworden. Der Inflationsdruck (wenn auch temporär) und die Erwartung weiter steigender Staatsanleiherenditen belasten.

Euro Investment Grade-Unternehmensanleihen: Übergewichten (zuvor: stark übergewichten)

Unterstützung kommt auch weiterhin von den Käufen der EZB. Der geringer gewordene „Spread“ (Renditedifferenz) macht sie indes anfälliger für steigende Zinsen. Wir bevorzugen angesichts des erhöhten Kapitalpuffers der europäischen Banken finanziell nachrangige Schuldtitel.

Hochverzinsliche Unternehmensanleihen: Untergewichten

Unter den risikobehafteten Anlageklassen bevorzugen wir derzeit Aktien, da die mangelnde Marktliquidität bei Hochzinsanleihen („high yield“) weiterhin ein Problem darstellt.

EWU-Staatsanleihen: Stark untergewichten (zuvor: untergewichten)

Wir akzentuieren die Untergewichtung von Kern-Euro-Staatsanleihen angesichts ihrer hohen Benchmark-Duration. Wir bevorzugen Staatsanleihen der Peripherieländer wie italienische BTP, die von der EZB und dem EU-Wiederaufbaufonds unterstützt werden. Wir präferieren gleichzeitig eine kurze Duration und erhöhen selektiv die Positionierung in inflationsgebundenen Anleihen. Dies könnte sich als hilfreich erweisen, um mit dem Basisszenario eines vorübergehenden Anstiegs der Inflation umzugehen.

Nicht-EWU-Staatsanleihen: Neutral

Trotz der immer noch akkommodierenden Geldpolitik erwarten wir einen kontinuierlichen Anstieg der Renditen von US-Treasuries bis zum Jahresende.

Schwellenländer-Anleihen: Übergewichten

Auf der Suche nach Rendite eröffnen sich hier Kaufgelegenheiten. Höhere langfristige US-Renditen und ein stärker gewordener USD haben uns aber defensiver und selektiver werden lassen.

Geldmärkte: Neutral

Geldmarktanlagen scheinen als Absicherung gegen Unsicherheit (Risikostreuung) erwägenswert.

Alternative Anlagen: Neutral

Solche Anlagen bieten allenfalls Diversifikationspotenzial.

Rohstoffe

Gold: Übergewichten

Der Goldpreis wird durch die akkommodierende Geldpolitik der Zentralbanken gestützt. Darüber hinaus sollte Gold seine Rolle als „sicherer Hafen“ zur Inflationsabsicherung immer wieder entfalten können.

Währungen

EUR-USD

Der Dollar hat in letzter Zeit aufgrund des verbal etwas „hawkischeren“ Fed und seiner Rolle als „sicherer Hafen“ zulegen können. Längerfristig dürfte der Dollar aufgrund der sogenannten Zwillingsdefizite (Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite) wieder schwächer tendieren.

Unsere Hauptrisiko-Szenarien

1. Ein deflationäres Risiko in Verbindung mit einer Verschlimmerung der Pandemie durch die Ausbreitung neuer Varianten

Die folgende Impfgrafik 15 zeigt, dass es vor allem die Schwellenländer und Japan sind, die am stärksten von der Ausbreitung der Delta-Variante bedroht sind. Japan hat bereits den Notstand ausgerufen und Zuschauer von den Olympischen Spielen verdammt. In Europa ist davon erneut die Tourismussaison in Ländern wie Spanien und Portugal betroffen. Frankreich hat seine Bürger davor gewarnt, dort ihren Urlaub zu verbringen. Auch die Wiederöffnung der Schulen birgt Risiken.

2. Ein länger anhaltendes Überschießen der Inflation

Während wir für die kommenden Monaten ein (weiteres) Überschießen der Inflation aufgrund des Nachfragesogs im Zuge der Öffnung der Wirtschaft (insbesondere des Dienstleistungssektors) und der anhaltenden Angebotsknappheit erwarten, bleibt die zugrunde liegende Preisdynamik nach unserer Einschätzung weitgehend unter Kontrolle. Mittelfristig dürfte der Inflationspfad der Zielmarke der Fed nahekommen bzw. die der EZB (nun 2 %) sogar wieder unterschreiten.

So erwartet die Fed, dass der Anstieg der Inflation nur vorübergehender Natur ist und sich der Lohndruck, der die langfristige strukturelle Teuerung treibt (siehe Grafik 16), sich nach dem Auslaufen der Arbeitslosenunterstützung im September normalisieren und unter Kontrolle bleiben sollte. Allerdings haben derzeit viele US-Unternehmen Schwierigkeiten, Arbeitskräfte zu finden, zumal deren Lohnangebote nicht höher, z. T. sogar niedriger sind als die staatlichen Arbeits­losenunterstützungen.

Der enorme fiskalische Stimulus der USA birgt jedoch ein hohes Inflationsrisiko, da er im Vergleich zur US-Produktionslücke zu groß ist. Zusätzlich zu der aktuellen angebots- und rohstoffgetriebenen Teuerung hat sich dank der Konjunkturpakete und des Nachholbedarfs ein Nachfrageüberschuss von 2,1 Billionen USD angesammelt. Aus diesen Gründen ist ein länger anhaltendes Überschießen der Inflation auf 4 %-6 % zwar nicht unser Basisszenario, aber ein beachtliches Risiko, das genau im Auge behalten werden sollte.

Im Fokus & Unsere Anlagestrategie