AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
11. Mai 2021

CIO Kommentar

Im vergangenen Quartal hat Europa wohl den letzten Tiefpunkt der Corona-Krise durchschritten. Das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum ist zu Beginn des Jahres um 0,6% gegenüber Vorquartal noch einmal deutlich geschrumpft, während die Wirtschaftsleistung in den USA erneut spürbar zulegen konnte (+1,6%). Darüber hinaus gab es in Kontinentaleuropa auch noch erhebliche regionale Unterschiede. So ging in Deutschland die reale Wirtschaftsleistung um heftige 1,7% zurück –
ein deutlich höheres Minus als z.B. in Italien (-0,5%). In Österreich legte das BIP dagegen um 0,2% zu.

 

Nun aber hellt sich die Stimmung spürbar auf. Das Geschäftsklima verbessert sich sowohl im Verarbeitenden Gewerbe – hier haben die Indikatoren bereits wieder die zyklischen Hochs von vor der Pandemie erreicht – als auch bei den Dienstleistungen. Dieser Sektor wurde von Corona am schwersten getroffen. Nun sind die entsprechenden Stimmungsindikatoren wenigstens wieder in den expansiven Bereich zurückgekommen.

Die wachsende Zuversicht folgt dabei einer spürbaren Beschleunigung der Impfkampagne. Die Impfgeschwindigkeit hat deutlich zugenommen. Pro Woche werden derzeit rund 5% der Bevölkerung geimpft. Damit hat der Euroraum zu den USA und Großbritannien aufgeschlossen. Jenseits des Atlantiks ist die Impfgeschwindigkeit sogar schon wieder etwas rückläufig, da sich zunehmend weniger Impfwillige finden lassen. Soweit sind wir in Europa noch lange nicht. Die Impfkampagnen laufen nach wie vor auf vollen Touren und die Früchte dieser Strategie zeichnen sich ab. Die Infektionsraten weisen klar nach unten. Die Erfahrungen der Angelsachsen zeigen dabei, dass mit den Impfungen das Infektionsgeschehen trotz einer zunehmenden Öffnung der Wirtschaft zurückgeht. Der Plan der EU, bis zum dritten Quartal einem ausreichenden Teil der europäischen Bevölkerung ein Impfangebot zu unterbreiten – es werden etwa zwei Drittel für eine sogenannte Herdenimmunität benötigt –, erscheint durchaus realistisch und macht berechtigte Hoffnung auf eine rasche Normalisierung.

Die Erholung schlägt auch auf die Unternehmensgewinne durch. Sie sind schon im ersten Quartal auf breiter Basis kräftig gestiegen – sowohl in Europa, als auch in den USA. Das war aber angesichts der (künftigen) wirtschaftlichen Entwicklung keine große Überraschung. Was hingegen erstaunt hat, ist die hohe Zahl der Unternehmen, die die ohnehin schon ambitionierten Erwartungen übertreffen konnten.

Bemerkenswert ist allerdings auch, dass trotzdem die Kurse von europäischen Aktien nicht noch einmal spürbar zulegen konnten. Im April tendierten sie eher seitwärts, während die US-Märkte spürbar aufholten. Lagen Ende des ersten Quartals die europäischen Indizes zum Teil noch deutlich vor ihren US-Pendants, konnten letztere mittlerweile gleichziehen. Die Impffortschritte und die daraus resultierende wirtschaftliche Erholung sind also bereits zu einem guten Stück in den aktuellen Kursen eingepreist. Eine gewisse Phase der Konsolidierung nach der starken Rally wäre dann wenig überraschend und auch nicht problematisch. Die Bewertungen (Kurs-Gewinn-Verhältnisse) sind recht hoch. Tendieren die Märkte jetzt ein wenig seitwärts während die Gewinnerwartungen weiter steigen (was derzeit der Fall ist), bauen sich die Bewertungsüberhänge sukzessive ab –eine durchaus gesunde Entwicklung.

Ab dem Herbst kann man als Anleger dann mit neuen Impulsen rechnen. Wichtig wird sein, wie staatliche Investitionsprogramme ausgestaltet werden, wie nachhaltig die Wachstumsentwicklung ausfällt und wie die Zentralbanken ihre Geldpolitik kalibrieren. Mit zunehmendem Wachstumstempo werden nämlich auch die Inflationsraten steigen. Von einer stark und langfristig anziehenden Inflation ist aber nicht auszugehen. Die Renditen, obwohl moderat steigend, sollten also auch im nächsten Jahr niedrig bleiben – zumindest im historischen Kontext. Das dürfte Aktien auch weiterhin unterstützen.

Aber selbst wenn diese in nächster Zeit eher seitwärts tendieren sollten, der wirtschaftliche Aufschwung wird mit der voranschreitenden Impfkampagne weitergehen. Schon im laufenden Quartal sollte die Wirtschaft im Euroraum um 1¾% gegenüber Vorquartal wachsen – und im dritten sogar um gut 2%. Der Sommer kann also kommen!

CIO Kommentar