AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
08. März 2021

CIO Kommentar

Der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten scheint sich fortzusetzen, die Aufwärtsbewegung wird aber immer wieder durch temporäre Rücksetzer unterbrochen. Ende Januar waren es die Auswirkungen eines veritablen „short squeeze“* aufgrund von Leerverkäufen bei Aktien wie Gamestop, die für reichlich Volatilität sorgten. Ende Februar waren es dann die aufkeimenden Inflationssorgen, die die Anleiherenditen spürbar steigen ließen und den Höhenflug der Aktien unterbrachen.

Aus ökonomischer Sicht ist der Zins- bzw. Renditeanstieg in der Tat bedeutsam, reflektiert er doch die Erwartung, dass sich die Wirtschaft sukzessive vom Pandemie-Schock erholt und wieder Fahrt aufnimmt. Kehrt das Wachstum zurück, geht damit auch ein Inflationsanstieg einher, was die Nominalzinsen nach oben treibt. Zwei Dinge sind hierbei wichtig: Erstens die Entwicklung der Renditen im Vergleich zur Inflation, und zweitens die Wachstumspfade in Europa und den USA. Steigen die Renditen parallel zur Inflation (bzw. den Inflationserwartungen), bleibt die Realrendite unverändert. Diese ist sowohl in Europa als auch den USA derzeit negativ. Steigen die Renditen aber schneller als die Inflationserwartungen, zeigt auch die Realrendite nach oben (bzw. wird weniger negativ). Eine solche Entwicklung dürfte den Zentralbanken vor dem Hintergrund der Pandemie-bedingt immer noch schwierigen wirtschaftlichen Situation nicht behagen, wird dadurch doch das finanzwirtschaftliche Umfeld restriktiver. Dies gilt insbesondere für die EZB, denn die Erholung der europäischen Wirtschaft scheint hinter die der USA zurückzufallen. Jenseits des Atlantiks sind deshalb die Inflationserwartungen ausgeprägter und persistenter. Diesseits des Atlantiks geht man demgegenüber nur von einem temporären Überschießen in diesem Jahr aus – bevor die Teuerungsraten wieder auf Werte deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB zurückfallen.

Es steht deshalb zu erwarten, dass die Zinsentwicklung in Europa, auch durch die laufenden Anleihekäufe der EZB, jenseits der kurzen Frist wieder auf einen fundamental gerechtfertigten Pfad einschwenken wird. Und das bedeutet, dass die Zinsen längerfristig niedrig bleiben und die Realrendite weiterhin in negativem Terrain verharren wird.

Von so einer Entwicklung dürften insbesondere europäische Aktien profitieren. Mit steigenden Impfraten sollten die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie sukzessive nachlassen. Gleichzeitig haben europäische Unternehmen ein größeres Aufholpotential im Vergleich zu ihren US-Pendants. Der Konsens erwartet für das laufende Jahr ein Gewinnwachstum für europäischen Aktienindizes von 35%, für die USA dagegen nur etwas mehr als 20%. Diese Tendenz sollte auch in den Folgejahren Bestand haben. Gleichzeitig ist die Bewertung, also das Kurs-Gewinn-Verhältnis, in Europa nicht so stark gestiegen wie in den USA. Das Risiko eines Bewertungsrückschlages ist also hierzulande geringer.

Ohnehin sollte das Risiko von größeren Preisrücksetzern in Europa begrenzt sein, wenn sich die wirtschaftliche Situation so entwickelt wie erwartet. Einzelne Bewertungen sind zwar hoch, aber ein Preisrückgang vor dem Hintergrund einer sich sukzessive erholenden Konjunktur und einem außerordentlich hohen Gewinnwachstum ist eher unwahrscheinlich. Wir bleiben deswegen bei unserer Strategie, Aktien im Vergleich zu Anleihen deutlich überzugewichten.

Die Aufwärtsbewegung ist allerdings keine Einbahnstraße. Wie der Jahresauftakt gezeigt hat, dürfte es immer wieder zu temporären Rücksetzern kommen, wenn z.B. die Inflationssorgen nochmals anschwellen, der Fortgang der Geldpolitik hinterfragt wird oder auch eine mögliche dritte Corona-Welle die Wirtschaft wieder in den Würgegriff nehmen würde. Der Primärtrend von Aktien aber bleibt wohl nach oben gerichtet. Höhere Volatilität aber macht eine professionelle Anlageberatung noch wichtiger.

CIO Kommentar