AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
14. Juni 2021

CIO Kommentar

Die europäische Impfkampagne schreitet rasch voran und die Stimmung in der Wirtschaft hellt sich spürbar auf. So konnten beispielsweise der deutsche Ifo- und der italienische ISTAT-Index kräftig zulegen. Sowohl der ISTAT, als auch die für Prognosezwecke so wichtige Erwartungskomponente des Ifo-Index haben ihre zyklischen Höchststände aus dem Jahr 2017 bereits wieder erreicht. Auch die Gewinnerwartungen klettern weiter. Allein seit Ende April sind die Gewinnschätzungen der Analysten für europäische und US-Aktien für das laufende Jahr um über 3% gestiegen. Auch für die Folgejahre weisen die Schätzungen deutlich nach oben.

In der EU sind mittlerweile rund 20% der Bevölkerung vollständig geimpft, in den USA und in Großbritannien sind es etwa 40%. Allerdings ist die wöchentliche Impfrate in Europa inzwischen deutlich höher als in den USA. Hierzulande werden pro Woche 5% bis 6% der Bevölkerung geimpft. In den USA ist dieser Wert von einem Höchststand bei fast 7% im April auf nunmehr 2% gesunken. Das Impftempo im Verbund mit den Lockdownmaßnahmen der vergangenen Monate macht sich auch in den Inzidenzraten bemerkbar, also in der Rate der Neuinfektionen der letzten sieben Tagen pro hunderttausend Einwohner. Sie ist in Europa zuletzt auf unter 50 gesunken, was zu Lockerungen der Kontaktrestriktionen geführt hat.

Viele Bürger konnten in den vergangenen Wochen zum ersten Mal seit dem Beginn der zweiten Corona-Welle im Herbst letzten Jahres wieder außer Haus zum Essen gehen. Eine befreiende Erfahrung, die die Stimmung hebt. Die niedrigen Infektionsraten machen auch Hoffnung auf Urlaubsreisen. Das ist einerseits wichtig für die Reiseindustrie und die Länder, deren Wirtschaft stark vom Tourismus abhängt. Andererseits vermittelt das auch ein Gefühl von zunehmender Normalisierung und die Aussicht, die Pandemie baldmöglichst hinter uns lassen zu können.

Bis zum Ende der Pandemie ist aber noch ein gutes Stück zu gehen. Ein großer Teil der Bevölkerung, auch in Europa, ist bisher noch gar nicht geimpft und in Großbritannien steigen die Infektionsraten derzeit wieder an, obwohl das Land mit die höchsten Impfraten aufweist. Laut Medienberichten könnte das mit dem Auftreten von Virusvarianten zu tun haben. Man sollte solche Risiken nicht vernachlässigen. In den Schwellenländern, wo die Impfraten noch sehr niedrig sind, ist immer wieder von beängstigenden neuen Infektionswellen zu hören. Das gilt für Lateinamerika und Asien gleichermaßen. Es sind also noch weitere Anstrengungen notwendig, auch in der sogenannten entwickelten Welt, bis die Pandemie endgültig besiegt ist.

In diesem Marktumfeld sind die Aktienkurse zuletzt weiter gestiegen, in Europa sogar etwas kräftiger als in den USA. Der STOXX Europe 600 legte seit Ende April um 4,1% zu, der S&P 500 (in USD) nur um 1,1%. Die Renditen europäischer Staatsanleihen waren im Mai recht volatil. So stieg die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen zwischenzeitlich auf -0,1%, gab dann aber wieder nach und schloss den Monat nahezu unverändert bei etwa -0,20%.

Ein Faktor, der die Zinsmärkte in Europa stark beeinflusst, ist die Inflation. Die sogenannte Headline-Rate stieg EWU-weit zuletzt auf 2,0% im Jahresvergleich. Betrachtet man aber die aus geldpolitischer Sicht wichtigere Kernrate (ohne die volatilen Bestandteile Energie und Nahrungsmittel), so verharrt diese immer noch auf Niveaus unter 1%. Ein nachhaltiger Inflationsschub lässt sich aus diesen Daten derzeit nicht glaubhaft herauslesen. Zudem zeigen zumindest die aus den Märkten für Inflationsswaps abgeleiteten Inflationserwartungen, dass dies auch für die kommenden Jahre wenig wahrscheinlich ist. Die entsprechenden Erwartungen für die Headline-Inflationsraten bleiben für den Euroraum deutlich unter der Zielmarke der EZB von 2%.

Die bestimmenden Themen für die Kapitalmärkte bleiben also auch zu Beginn der Sommermonate die wirtschaftliche Erholung bzw. der damit einhergehende Anstieg der Inflation und des Renditeniveaus. Wie wir im Fokus-Teil darlegen, zeigen die Erfahrungen der letzten 40 Jahre, dass ein Umfeld mit steigenden Renditen nicht unbedingt ein Problem für Aktienmärkte darstellen muss – zumindest dann nicht, wenn die Renditen durch einen wirtschaftlichen Aufschwung nach oben getrieben werden. Wir gehen davon aus, dass dieses Szenario in den kommenden Monaten Bestand haben wird. Allerdings steht zu erwarten, dass der größte Teil der Aktien-Erholungsrally bereits hinter uns liegt und daher in den Sommermonaten mit einem eher seitwärts gerichteten Markt und Phasen erhöhter Volatilität gerechnet werden sollte. Nichtsdestotrotz sind Aktien in einem solchen Umfeld sowohl aus fundamentalen Gründen – wirtschaftliche Erholung bedingt weiter steigende Unternehmensgewinne – als auch aus einer relativen Betrachtung heraus – steigende Renditen belasten festverzinsliche Anlagen direkt – auch weiterhin interessant.

CIO Kommentar