AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
28. Juli 2021

CIO Kommentar

Die erste Jahreshälfte liegt hinter uns, eine willkommene Gelegenheit kurz innezuhalten und auch mal zurückzuschauen. Viele Hoffnungen, die wir nach dem Schreckensjahr 2020 gehegt hatten, sind in den vergangenen Monaten wahr geworden. Wir möchten nicht zu euphorisch klingen und wissen, dass es viele Unsicherheiten, Probleme und Wunden gibt, die noch heilen müssen. Aber lassen Sie uns zunächst auf die positiven Entwicklungen schauen.

Die von uns allen herbeigesehnte medizinische Lösung der Pandemie in Form von breit verfügbaren Impfstoffen rückt näher, auch wenn – als großer Wermutstropfen – derzeit primär nur für die Industrienationen. Während zu Beginn des Jahres in Kontinentaleuropa noch die Enttäuschung über den schleppenden Impfstart überwog, läuft die Kampagne mittlerweile auf Hochtouren. Pro Woche werden aktuell Impfdosen in der Größenordnung von 5 %-7 % der Bevölkerung verabreicht. Mitte des Jahres waren etwa 40 % der Bevölkerung in der EU vollständig geimpft. Aufgrund der Erfolge des Dreiklangs Impfen, Testen und Abstandhalten sind die Inzidenzen in vielen Ländern Europas und in Nordamerika im Vergleich zum Frühjahr deutlich niedriger. Die Restriktionen konnten zurückgefahren werden. Davon profitiert nun die Konjunktur. Während im ersten Quartal das EWU-weite Bruttoinlandsprodukt noch schrumpfte, nahm die Wirtschaft im Frühjahr mächtig Fahrt auf und dürfte – so die Erwartungen – im laufenden Quartal kräftig wachsen. Das haben die Kapitalmärkte goutiert und eine Rally hingelegt. Im ersten Halbjahr 2021 konnten die führenden Aktienindizes in Europa und den USA etwa 15 % zulegen. Über eine lange Phase hinweg hatten die europäischen Werte sogar die Nase vorn – eine Erfahrung, die Aktieninvestoren hierzulande schon länger nicht mehr gemacht haben. Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung zog allerdings auch die Inflation an, getrieben von Nachhol- und Basiseffekten, aber auch aufgrund von Kapazitäts- und Lieferengpässen. Die Zentralbanker gehen jedoch davon aus, dass diese Effekte die Teuerung nur vorübergehend nach oben treiben und sie sich sukzessive wieder normalisieren wird. Wir teilen diese Ansicht. Eine Bestätigung steht aber noch aus.

Wie bereits erwähnt, gibt es aber auch noch Wolken am Himmel. Die wohl wichtigste Frage ist die nach dem weiteren Verlauf der Pandemie. Wie effektiv wirken die zugelassenen Impfstoffe gegen Virusvarianten? Ist die Impfbereitschaft hoch genug, um baldmöglichst Herdenimmunität zu erreichen? Entstehen möglicherweise noch aggressivere Varianten, die die bisherigen Erfolge in Frage stellen? Wir kennen die Antworten darauf nicht, sind aber überzeugt davon, dass der oben genannte Dreiklang der richtige Weg ist, um die Pandemie unter Kontrolle bringen zu können. Und auch im Falle eines ungünstigeren Szenarios wissen wir, dass die uns zur Verfügung stehenden Mittel und Maßnahmen ausreichen werden, um weitere Herausforderungen zu bestehen. Bereits jetzt wird an Impfstoffmodifikationen gearbeitet. Wir sind überzeugt davon, dass die Wissenschaft die Antwort auf die Herausforderungen liefern wird.

An den Aktienmärkten liegt vermutlich der größte Teil der post-Corona-Rally bereits hinter uns. Das bedeutet aber nicht, dass die Erholung damit schon beendet ist. Normalisierung bedeutet eben auch, dass Probleme und Herausforderungen, die bereits vor der Pandemie bestanden haben und von ihr in den Hintergrund gedrängt wurden, wieder in das Sichtfeld der Anleger rücken werden. Der Klimawandel ist eine der wichtigsten. Aber auch hier sind wir davon überzeugt, dass die Antworten auf die damit verbundenen Probleme und Risiken für die europäische Wirtschaft eher eine Chance darstellen. Wie auch in der Pandemie machen Wissenschaft, Innovationen und vor allem die zielgerichteten Investitionen einen gewichtigen Teil der Lösungen aus. Innovationen und Investitionen aber bedeuten mehr Wachstum und eröffnen Perspektiven für Arbeitnehmer und Unternehmen gleichermaßen.

Nach wie vor präferieren wir Aktien gegenüber festverzinslichen Wertpapieren und setzen bei ersteren insbesondere auf europäische Werte. Unser fundamental orientierter Ansatz zur Einzeltitelselektion, der besonderen Wert auf Qualität und Stabilität der Unternehmen legt, hat sich in der Krise bewährt. Anfangs setzten wir auf defensive Branchen, insbesondere auf den Gesundheitssektor und die Informationstechnologie. In der Erholung schieben sich zyklischere Sektoren in den Vordergrund, welche im besonderem Maße von Wachstum profitieren können. Sehr erfreulich ist auch die Entwicklung in unseren nachhaltigen Anlagestrategien. Sie zeigten einmal mehr, dass die Berücksichtigung sogenannter ESG-Kriterien („Environmental, Social, Governance“, also eine unternehmerische Sozialverantwortung) die Erfolgsaussichten von Anlagen nicht beeinträchtigen muss, sondern im Gegenteil sogar steigern kann. An der Impfstoffentwicklung waren europäische Unternehmen maßgeblich beteiligt. Das unterstreicht die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Wirtschaft in Europa. Deswegen ist uns auch vor künftigen Herausforderungen nicht bange.

CIO Kommentar