AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
09. Februar 2021

CIO Kommentar

Das neue Jahr hat begonnen. Nach dem schicksalsschweren 2020 ist der Start geprägt von Hoffnung, Zuversicht und Aufbruchsstimmung – auch wenn die aktuelle Lage noch arge Belastungen mit sich bringt. Noch immer sterben viele Menschen an Corona, die hochinfektiösen Virus-Mutationen bereiten zunehmend Sorge und die Impfkampagnen laufen schleppend an, zumindest in Kontinentaleuropa. Es fehlt an Impfstoffen. Immerhin steigen die Raten stetig. Dennoch wird es noch lange dauern bis zu einem ausreichenden Schutz der Risikogruppen, ganz zu schweigen bis zur Herdenimmunität. Die Aussicht, dass die Impfkampagnen im Laufe des Jahres zu einer medizinischen Lösung der Pandemie führen und die ersehnte Rückkehr zur Normalität erlauben, beflügelt indes schon jetzt die Finanzmärkte.

Das Börsenjahr 2020 hat trotz Corona doch noch ein versöhnliches Ende gefunden. Auch der DAX stieg auf ein neues Allzeithoch. Und das Kursfeuerwerk setzte sich zu Beginn dieses Jahres fort. Der Index stieg auf die neue Rekordmarke von über 14.000 Punkten. Zwar ist die aktuelle wirtschaftliche Situation gekennzeichnet von den jüngst noch einmal verschärften Lockdown-Maßnahmen. Eine spürbare wirtschaftliche Erholung im weiteren Verlauf des Jahres ist jedoch sehr wahrscheinlich. Vorerst aber hält die Durststrecke an. Bereits gegen Ende letzten Jahres ging die reale Wirtschaftsleistung EWU-weit nochmal einmal zurück. Das aber war angesichts des starken Sommerquartals nicht übermäßig dramatisch. Auch das laufende Vierteljahr dürfte noch unter den verschärften Lockdown-Maßnahmen leiden. Danach aber sollte die Erholung spürbar an Fahrt aufnehmen.

Für das Gesamtjahr 2021 erwartet der IWF ein Wachstum im Euroraum von 4,2%. Es dürfte schwächer ausfallen als das der USA. Die neue Administration von Präsident Joe Biden plant nämlich ein massives Unterstützungsprogramm für die Wirtschaft. Allerdings dürften dort die Anti-Corona-Maßnahmen angesichts der hohen Infektionsraten erst nochmal verschärft werden. Andererseits konnten sich die Demokraten mit den Nachwahlen in Georgia eine denkbar knappe Mehrheit im Senat sichern. Trotzdem benötigen einige Elemente seiner wirtschaftspolitischen Agenda die Zustimmung von Teilen der republikanischen Minderheit. Hierbei dürfte es zu einem intensiven Verhandlungsprozess und am Ende zu spürbaren Abstrichen kommen. Aber selbst dann bedeutet sein Programm eine spürbare Unterstützung für die US-Wirtschaft. Nur zur Einordnung: die avisierten 1,9 Billionen US-Dollar entsprechen immerhin 9% des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Neben den Schwerpunkten Impfkampagnen und Fiskalprogrammen werden aber noch zwei weitere Themen die Marktentwicklung im Laufe des Jahres bestimmen: das geldpolitische Umfeld sowie die konjunkturellen bzw. strukturellen Veränderungen für die Unternehmen. Den Zentralbanken kam im Krisenjahr 2020 wieder eine Schlüsselfunktion bei der Stabilisierung der Wirtschaft zu. Die Frage, die sich anschließt, ist: Wie lange werden sie ihre außergewöhnliche Unterstützung aufrechterhalten. Nun, kurzfristig dürften sie keine Änderung vornehmen. Aber mittel- bis längerfristig wird eine Diskussion um das sogenannte „Tapering“ hochkommen, also die schrittweise Rückführung der Kaufprogramme. Dann sollten auch die Renditeniveaus moderat steigen. Die Zentralbanken dies- und jenseits des Atlantiks werden aber darauf erpicht sein, dass sich so ein Anstieg nur dosiert und nicht zu rasch materialisiert. Insgesamt dürften damit die Zinsen noch längere Zeit auf niedrigem Niveau bleiben. Daher sollten Aktien Anleihen auch weiterhin ausstechen können.

Das zweite wichtige Thema betrifft die Frage, welche Branchen im weiteren Verlauf besonders gut aufgestellt sind. Dabei werden zunächst die von der Pandemie arg gebeutelten Sektoren besonders im Fokus stehen. Diese haben zwar schon zum Jahresende eine ordentliche Rally hingelegt. Andererseits aber stellen sich für viele Unternehmen aus diesen Branchen wichtige strukturelle Zukunftsfragen. Die Corona-Pandemie, die eine Art Naturkatastrophe in Zeitlupe war, hat das Thema nachhaltige Entwicklung an den Finanzmärkten noch einmal betont. Mit der umweltpolitischen und Klimaschutz-Agenda der neuen US-Administration wird es noch weiter ins Zentrum rücken. Für die Börsen ist das aus unserer Sicht eine gute Nachricht. Die Pandemie hat uns gelehrt, dass die wesentlichen Zukunftsfragen mit wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt beantwortet werden müssen. Verzicht und die Einschränkung von persönlichen Freiheiten können zwar in Krisenzeiten wie einer Pandemie als temporäre Notfallmaßnahmen zu Abwendung der größten Risiken herangezogen werden. Eine auch gesellschaftlich nachhaltige Entwicklung lässt sich aber nur mit technologischem Fortschritt erreichen, z.B. im Bereich energieeffizienter und klimaneutraler Mobilität. Europa ist auch in diesem Bereich hervorragend aufgestellt. Deswegen sind wir zuversichtlich und sehen auch bei uns gute Möglichkeiten für nachhaltige und wirtschaftlich erfolgreiche Anlagen.

CIO Kommentar