AusBlick

Die monatliche Konjunktur- und Markteinschätzung

Der „AusBlick“ bietet Ihnen eine ausführliche Analyse der Ereignisse an den Kapitalmärkten und der Weltwirtschaft. Neben einer Beschreibung unserer Anlagestrategie wird zusätzlich ein aktuelles Fokusthema tiefgreifend analysiert.
12. April 2021

CIO Kommentar

Trotz der aktuell immer noch angespannten Pandemielage in Europa, die möglicherweise zu weiteren Lockdown-Maßnahmen führen wird, macht sich Hoffnung auf eine spürbare wirtschaftliche Erholung breit. Die jüngsten Stimmungsindikatoren in Europa, die sogenannten Einkaufsmanagerindizes, zeichnen für das Verarbeitende Gewerbe sogar ein geradezu euphorisches Bild. Die März-Zahlen sind auf ein Niveau geklettert, das den Höhepunkt aus dem letzten Zyklus zum Jahres­wechsel 2017/18 bereits jetzt schon deutlich übersteigt. Der Dienstleistungssektor hinkt der Industrie zwar hinterher, was aber angesichts der deutlich stärkeren Beeinträchtigung durch die Lockdown-Maßnahmen durchaus verständlich ist. Die Aktienmärkte feiern die Hoffnung auf Erholung. So ist der EURO STOXX 50-Index im ersten Quartal um über 10% gestiegen. Europäische Aktien konnten dabei deutlich stärker zulegen als ihre US-Pendants, die nur etwas mehr als die Hälfte des Zuwachses verzeichneten. Schwellenländeraktien, die sich im vergangenen Jahr stark erholt hatten, legten hingegen nur knapp 2% zu.

Diese „Outperformance“ europäischer Aktien ist insbesondere vor dem Hintergrund der langsameren wirtschaftlichen Erholung im Vergleich zu den USA oder Asien bemerkenswert. Dennoch kam sie nicht unerwartet und lässt sich durch mehrere Faktoren erklären. Zunächst war das Aufholpotential von europäischen Aktien im globalen Vergleich deutlich größer, da sich die europäischen Werte in der zweiten Jahreshälfte 2020 nicht so stark erholt hatten wie andere Aktienmärkte. Hinzu kommt, dass insbesondere in den USA aufgrund der massiven Stimulus-Programme die Inflationserwartungen spürbar angezogen haben. Sie ließen die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen stark steigen. Dieser Renditeanstieg belastet die US-Aktienmärkte. Ihr letztjähriger Höhenflug war nicht zuletzt dem historisch niedrigen Zinsniveau geschuldet, das die Bewertung (Kurs-Gewinn-Verhältnis) getrieben hat. Durch den scharfen Renditeanstieg sind (zum Teil bereits überteuerte) US-Aktien in Relation nun weniger interessant als Zinspapiere. Der Renditeanstieg in den USA dürfte aber noch ein Stück weitergehen – und mit ihr auch die Belastung von sehr hoch bewerteten Aktien.

Bei der Einordnung dieser Entwicklung in das Gesamtbild sollte man aber die zugrundeliegende wirtschaftliche Erholung nicht außer Acht lassen, welche die Aktienmärkte fundamental unterstützt. Aus unserer Sicht ein schlagendes Argument dafür, Aktien auch weiterhin Zinspapieren vorzuziehen.

Hoffnungsvoll stimmt für Kontinentaleuropa auch die endlich steigende Impfgeschwindigkeit, also die Rate an Impfungen pro Woche im Verhältnis zur Be­völkerungszahl. Diese liegt in Europa mit etwas über 2% zwar immer noch bei weniger als der Hälfte der Werte in Großbritannien und den USA, sie scheint aber aktuell spürbar anzuziehen. Im ersten Quartal wurde im Schnitt nur etwa 1% der Bevölkerung pro Woche geimpft. Dass hierfür im Wesentlichen der Engpass bei den Impfstoffen verantwortlich war, zeigt der Vergleich mit den europäischen Ländern, die auch mit chinesischen und russischen Impfstoffen arbeiteten. Hier lag die Rate bei 5%. Mit der Ausweitung der Produktionskapazitäten in Europa sollte sich das Impftempo auch hierzulande deutlich beschleunigen. Die sinkenden Inzidenzzahlen in Großbritannien und den USA machen berechtigte Hoffnung auf eine Normalisierung der Lage.

Die wirtschaftliche Erholung sollte sich dann auch auf breiter Front bemerkbar machen. Mittelfristig dürften sich aber vor allem solche Unternehmen besser ent­wickeln, die sich besonders gut auf nachhaltige Zukunftstrends einstellen können. Denn diese werden durch europäische Investitionsprogramme besonders unterstützt. Die nachhaltigen, sogenannten ESG-Strategien, die bereits im vergangenen Jahr stark „performten“, werden also auch in der Zukunft im Fokus der Anleger bleiben.

Optimismus ist also durchaus angebracht. Bis zum Erreichen der Herdenimmunität durch Impfungen sollten wir aber alle achtsam bleiben. Die gesundheitlichen (und wirtschaftlichen) Gefahren sind noch nicht gebannt.

CIO Kommentar