EinBlick

Die Analyse aktueller Themen

Im „EinBlick“ werden aktuelle kapitalmarktrelevante Ereignisse analysiert und übersichtlich dargestellt.
06. Februar 2018

Ein schwieriges Börsenjahr voraus – so unser Jahresausblick für 2018. Die ersten Handelswochen scheinen diese Einschätzung bereits zu bestätigen. Dem starken Jahresauftakt folgte schon zum Monatswechsel die Ernüchterung. Anleihen und Industriemetalle gingen auf Talfahrt, Aktien brachen zuletzt sogar regelrecht ein.

Überzogene (US-)Bewertungen, eine überschäumende Stimmung, vor allem aber eine Neubewertung der Inflations- und Notenbankaussichten waren wohl die Auslöser für die abrupt gestiegene Risikoaversion. Die Anleger sorgen sich um einen stärker als bislang projektierten Preis- und Zinsanstieg. Kurzfristig könnte die Korrektur bei Aktien noch weitergehen. Eine Trendwende nach unten, d.h. einen anhaltenden ­Bärenmarkt, sehen wir angesichts des soliden konjunkturellen Umfelds und steigender Unternehmensgewinne derzeit noch nicht.

Wir halten daher an der leichten Übergewichtung bei Aktien fest, mit der wir – von der Konsensmeinung nach unten abgesetzt – ins Jahr gestartet sind. Aktien sollten auch 2018 insgesamt die bessere Wahl sein, vor allem von dem jetzt tieferen Niveau aus betrachtet.

Der Januar war über weite Strecken noch geprägt von steigenden Aktienkursen, steigenden Renditen sowie einem schwächeren Dollar bzw. stärkeren Euro. Auch die Stimmung ging deutlich nach oben. Dann aber hat sich das Marktbild erheblich ausdifferenziert. Anleihen, Industriemetalle und auch Aktien gaben spürbar nach. Letztere brachen zuletzt sogar ein, was eine Welle von risikoaverser Stimmung impliziert, die derzeit durch die Märkte fegt.

Ermutigende Bilanzwerke im Rahmen der aktuellen Berichtssaison seitens der Unternehmen konnten dem nichts entgegensetzen. Mittlerweile hat in den USA über die Hälfte der Unternehmen ihr Zahlenwerk vorgelegt. 77 % konnten dabei die Erwartungen übertreffen. Die Gewinne sind bis jetzt um 16 % im Jahresvergleich gestiegen.

Die anziehenden Renditen an den Anleihemärkten aber belasteten die Stimmung und trugen zu den Minuskorrekturen bei. Die starken US-Arbeitsmarktdaten haben an der Wall Street Sorgen ausgelöst, die US-Notenbank Fed könnte die Zinsen in diesem Jahr zügiger anheben als bislang vom Markt angenommen. Die Stimmung lässt sich etwa so zusammenfassen: Was für den Durchschnittsamerikaner gut ist, ist für den Aktienmarkt schlecht.

Der monatliche Regierungsbericht zeichnet das Bild eines glänzenden US-Arbeitsmarkts, was Analysten und Zinsstrategen jedoch zu denken gibt. Im Januar wurden 200.000 neue Jobs geschaffen. Experten hatten nur mit 180.000 gerechnet. Gleichzeitig stieg der Durchschnittsstundenlohn um hohe 2,9 % gegenüber Vorjahr und verzeichnete damit das stärkste Plus seit 2009. Eine nahezu erreichte Vollbeschäftigung und steigende Löhne könnten dazu führen, dass sich auch die Inflation dem Fed-Ziel zügiger nähert als bislang projektiert. Dies wiederum hätte mehr bzw. raschere Zinserhöhungen zur Folge. Lange Zeit ging der Markt für 2018 nur von zwei, maximal drei solchen Schritten aus.

Die Zinssorgen der Anleger wurden auch von den jüngsten Aussagen von Fed-Mitgliedern angeheizt. Die Notenbanker hatten die Marktteilnehmer in der letzten Woche auf eine weitere Zinsanhebung bereits im März eingestimmt. Die Fed setzt darauf, dass der Preisauftrieb in diesem Jahr zunehmen und sich dann bei dem Zielwert von um die 2 % einpendeln wird. Deshalb gehen viele Analysten nun von drei bis vier Leitzinsanhebungen aus. Das schiebt die Renditen an den Bondmärkten weiter nach oben. ­Zehnjährige US-Anleihen rentieren so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr.

Die Sorge vor möglicherweise rasch steigenden Zinsen trieb die Anleger in Scharen aus dem Markt. Da halfen auch gute Wirtschaftsdaten nicht. Der Dow-Jones-Index verzeichnete vergangenen Freitag einen deutlichen Kursrutsch um 666 Punkte oder 2,5 %. Gestern gab er nochmals um 1.175 Punkte bzw. 4,6 % nach. Dies ist (prozentual) der größte Rücksetzer seit gut zwei Jahren. Der Verkaufsdruck ist aber wohl nicht allein auf die veränderten Zinserwartungen zurückzuführen. Vielmehr erhöhte sich der kurzfristige Verkaufsdruck auch dadurch, dass viele Anlagestrategien mittlerweile auf die geringen Schwankungsbreiten der letzten Jahre ausgerichtet sind. Steigt diese nun an, dürften die teils auch Computer-getriebenen Strategien als Aktienverkäufer am Markt auftreten.

Neben der Wirtschaftslage sind bei Anlageentscheidungen also auch Positionierungsfragen zu berücksichtigen. Diese haben uns – trotz des herausragenden ökonomischen Umfelds – zuletzt bereits etwas vorsichtiger in der Einschätzung der Aktienmärkte werden lassen.

Die schweren Kursverluste an der Wall Street haben über Nacht auch in Asien die Aktienmärkte mit nach unten gezogen. In Tokio verlor der Topix 4,4 % auf 1.709 Zähler. Damit waren auch für den deutschen Aktienmarkt deutliche Minuskorrekturen vorprogrammiert. Der DAX startete heute Morgen mit einem Minus von rund 3½ % in den Handel. Das waren etwa 10 % unter seinem Allzeithoch. Die Verluste konnten im Laufe des Vormittags allerdings etwas eingedämmt werden.

Die Rückkehr der Unruhe zeigt sich gut im sogenannten Angstbarometer VIX für die US-Aktien. Das Niveau hat sich in rund einem Monat von einem historischen Tief aus nahezu verdreifacht. Für Optimisten heißt das: Die Periode historisch größtmöglicher Sorglosigkeit ist vorbei und damit auch die Zeit anormal geringer Schwankungen. Der Anstieg der Schwankungsbreite war durchaus vorgezeichnet und damit auch Teil unseres Jahresausblicks.

Zwar hat der aktuelle Konjunkturaufschwung aus unserer Sicht noch Luft nach oben. Wir erwarten ein solides und gut ausbalanciertes globales Wachstum. Dabei ist die Entwicklung breit angelegt. Konsum, Investitionen und Exporte tragen dazu bei. Das sollte die Basis für steigende Unternehmensgewinne sein und den Aktienmärkten insgesamt Auftrieb verleihen können. Im letzten Jahr aber sind die Kurse stärker gestiegen als die Gewinne. Damit sind die Bewertungen allerorten schon recht hoch. Folglich werden die Märkte anfälliger für Enttäuschungen. Es sind schon viele gute Nachrichten in die Erwartungen eingearbeitet. Rückschläge sollten daher nicht verwundern.

Daher gilt es umso mehr, Risiken ausgewogen zu nehmen um Chancen zu sichern. Als Investor wird man nach wie vor für das Eingehen von Risiken belohnt. Vor dem Hintergrund der hohen Bewertungen dürfte der zukünftig zu erwartende Ertrag jedoch vermutlich geringer ausfallen.

Der Wertbeitrag von Anleihen dürfte auch im neuen Jahr überschaubar sein. Das Niedrigzinsumfeld hat die Anleihemärkte auch 2018 im Griff. Der Trend zeigt aber nach oben. Steigende Renditen bedeuten zunächst eine Belastung auf der Kursachse. Einmal mehr müssen die Aktien die Performance tragen. Dazu dürfte auch die Dividende einen erfreulichen Baustein liefern. Die Dividendenrendite insbesondere im Euroraum ist nach wie vor deutlich höher als die vergleichbarer Unternehmensanleihen. Die Erfahrung zeigt, dass die späten Phasen im Zyklus durchaus noch gute Phasen waren. Aktien sollten auch 2018, vor allem jetzt von einem tieferen Niveau betrachtet, die bessere Wahl sein.

Angesichts des guten wirtschaftlichen Umfelds und steigender Unternehmensgewinne behalten wir unsere leichte Übergewichtung bei Aktien vorerst bei. Auf der Anleihenseite sind wir bereits seit längerem untergewichtet und mit einer kurzen Duration positioniert. Hier sehen wir nun langsam Chancen am Markt für US-Staatsanleihen. Gold bleibt für uns eine Beimischung und sollte in schwierigen Phasen seine ausgleichende Wirkung beweisen können.